Drinnen in der grossen Stadt, wo so viele Menschen und Häuser sind,
ja nicht einmal Platz genug ist, dass alle Leute einen kleinen Garten
besitzen können, und wo sich deshalb die meisten mit Blumen in
Blumentöpfen begnügen müssen, waren zwei arme Kinder, die einen
etwas grösseren Garten als einen Blumentopf besassen. Sie waren nicht
Bruder und Schwester, aber sie waren sich ebenso gut, als wenn sie es
gewesen wären. Die Eltern wohnten einander gerade gegenüber in zwei
Dachkammern, wo das Dach des einen Nachbarhauses gegen das andere
stiess und die Wasserrinne zwischen den Dächern entlang lief; dort
war in jedem Haus ein kleines Fenster; man brauchte nur über die
Rinne zu schreiten, so konnte man von dem einen Fenster zum anderen
gelangen.
Die Eltern hatten draussen beiderseits einen grossen hölzernen
Kasten, und darin wuchsen Küchenkräuter, die sie brauchten, und ein
kleiner Rosenstock. Es stand einer in jedem Kasten; die wuchsen gar
herrlich! Nun fiel es den Eltern ein, die Kasten quer über die Rinne
zu stellen, so dass sie fast von dem einen Fenster zum andern reichten
und zwei Blumenwällen ganz ähnlich sahen. Erbsenranken hingen über
die Kasten herunter, und die Rosenstöcke schossen lange Zweige, die
sich um die Fenster rankten und einander entgegen bogen; es sah fast
einer Ehrenpforte von Blättern und Blumen gleich. Da die Kasten sehr
hoch waren und die Kinder wussten,dass sie nicht hinaufkriechen
durften, so erhielten sie oft die Erlaubnis, zueinander
hinauszusteigen und auf ihren kleinen Schemeln unter den Rosen zu
sitzen, da spielten sie dann so prächtig.
Im Winter hatte dieses Vergnügen ein Ende. Die Fenster waren oft ganz
zugefroren; aber dann wärmten sie Kupferschillinge auf dem Ofen und
legten den warmen Schilling gegen die gefrorene Scheibe; dadurch
entstand ein schönes Guckloch, so rund, so rund; dahinter blitzte ein
lieblich mildes Auge, eines vor jedem Fenster; das war der kleine
Knabe und das kleine Mädchen. Er hiess Kay, und sie hiess Gerda. Im
Sommer konnten sie mit einem Sprunge zueinander gelangen; im Winter
mussten sie erst die vielen Treppen herunter und die Treppen hinauf;
draussen stob der Schnee.
“Das sind die weissen Bienen, die schwärmen”, sagte die
Grossmutter.
“Haben sie auch eine Bienenkönigin?” fragte der kleine Knabe,
denn er wusste, dass unter den wirklichen Bienen eine solche ist.
“Die haben sie!” sagte die Grossmutter. “Sie fliegt dort, wo sie
am dichtesten schwärmen! Es ist die grösste von allen, und nie
bleibt sie ruhig auf Erden, sie fliegt wieder in die schwarze Wolke
hinauf. Manche Mitternacht fliegt sie durch die Strassen der Stadt und
blickt zu den Fenstern hinein, und dann frieren die gar sonderbar und
sehen wie Blumen aus.”
“Ja, das habe ich gesehen!” sagten beide Kinder und wussten nun,
dass es wahr sei. “Kann die Schneekönigin hier hereinkommen?”
fragte das kleine Mädchen. “Lass sie nur kommen!” sagte der
Knabe, “dann setze ich sie auf den warmen Ofen und sie schmilzt.”
Aber die Grossmutter glättete sein Haar und erzählte andere
Geschichten.
Am nächsten Tag wurde es klarer Frost – und dann kam das Frühjahr;
die Sonne schien, das Grün keimte hervor, die Schwalben bauten
Nester, die Fenster wurden geöffnet, und die kleinen Kinder sassen
wieder in ihrem kleinen Garten hoch oben in der Dachrinne über allen
Stockwerken.
Die Rosen blühten diesen Sommer so prachtvoll; das kleine Mädchen
hatte einen Psalm gelernt, in welchem auch von Rosen die Rede war; und
bei den Rosen dachte sie an ihre eigenen; und sie sang ihn dem kleinen
Knaben vor, und er sang mit:
Die Rosen, sie verblüh'n und verwehen,
Wir werden das Christkindlein sehen!
Und die Kleinen hielten einander bei den Händen, küssten die Rosen,
blickten in Gottes hellen Sonnenschein hinein und sprachen zu
demselben, als ob das Jesuskind da sei. Was waren das für herrliche
Sommertage; wie schön war es draussen bei den frischen Rosenstöcken,
welche unermüdlich zu blühen schienen!
Kay und Gerda sassen und blickten in das Bilderbuch mit Tieren und
Vögeln, da war es – die Uhr schlug gerade fünf auf dem grossen
Kirchturm –, dass Kay sagte: “Au! Es stach mir in das Herz, und
mir flog etwas in das Auge!”
Das kleine Mädchen fiel ihm um den Hals; er blinzelte mit den Augen;
nein, es war gar nichts zu sehen.
“Ich glaube, es ist weg!” sagte er; aber weg war es nicht. Es war
gerade so einer von jeden Glassplittern, welche vom Spiegel gesprungen
waren, dem Zauberspiegel, wir entsinnen uns seiner wohl, dem
hässlichen Glase, welches alles Grosse und Gute, das sich darin
abspiegelte, klein und hässlich machte; aber das Böse und Schlechte
trat ordentlich hervor, und jeder Fehler an einer Sache war gleich zu
bemerken. Der arme Kay hatte auch ein Splitterchen gerade in das Herz
hinein bekommen. Das wird nun bald wie ein Eisklumpen werden; nun tat
es nicht mehr weh, aber das Splitterchen war da.
“Weshalb weinst du?” fragte er. “So siehst du hässlich aus! Mir
fehlt ja nichts!” – “Pfui” rief er auf einmal: “Die Rose
dort hat einen Wurmstich! Und sieh, diese da ist ja ganz schief! Im
Grunde sind es hässliche Rosen! Sie gleichen dem Kasten, in welchem
sie stehen!” Und dann stiess er mit dem Fuss gegen den Kasten und
riss die beiden Rosen ab.
“Kay, was machst du?” rief das kleine Mädchen. Und als er ihren
Schreck gewahr wurde, riss er noch eine Rose ab und sprang dann in
sein Fenster hinein und von der kleinen lieblichen Gerda fort.
Als sie später mit dem Bilderbuch kam, sagte er, dass das für
Wickelkinder passe; und erzählte die Grossmutter Geschichten, so kam
er immer mit einem “aber” – konnte er dazu gelangen, dann ging
er hinter ihr her, setzte eine Brille auf und sprach ebenso wie sie;
das machte er ganz treffend, und die Leute lachten über ihn. Bald
konnte er Sprache und Gang von allen Menschen in der ganzen Strasse
nachahmen. Alles, was an ihnen eigentümlich und unschön war, das
wusste Kay nachzumachen; und die Leute sagten: “Das ist sicher ein
ausgezeichneter Kopf, den der Knabe hat!” Aber es war das Glas,
welches ihm in dem Herzen sass; daher kam es auch, dass er selbst die
kleine Gerda neckte, die ihm von ganzem Herzen gut war.
Seine Spiele wurden nun ganz anders als früher; sie waren so
verständig. An einem Wintertag, als es schneite, kam er mit einem
grossen Brennglas, hielt seinen blauen Rockzipfel hin und liess die
Schneeflocken darauf fallen. “Sieh nun in das Glas, Gerda!” sagte
er; und jede Schneeflocke wurde viel grösser und sah aus wie eine
prächtige Blume oder ein zehneckiger Stern; es war schön anzusehen.
“Siehst du, wie künstlich!” sagte Kay. “Das ist weit
interessanter als die wirklichen Blumen! Und es ist kein einziger
Fehler daran; sie sind ganz akkurat, wenn sie nur nicht schmölzen!”
Bald darauf kam Kay mit grossen Handschuhen und seinem Schlitten auf
dem Rücken; er rief Gerda in die Ohren: “Ich habe Erlaubnis
erhalten, auf dem grossen Platz zu fahren, wo die anderen Knaben
spielen!”, und weg war er.
Dort auf dem Platz banden die kecksten Knaben oft ihre Schlitten an
die Wagen der Landleute fest, und dann fuhren sie ein gutes Stück
Wegs mit. Das ging recht schön. Als sie im besten Spielen waren, kam
ein grosser Schlitten; der war ganz weiss angestrichen, und darin sass
jemand, in einen rauhen weissen Pelz gehüllt und mit einer rauhen
weissen Mütze; der Schlitten fuhr zweimal um den Platz herum, und Kay
band seinen kleinen Schlitten schnell daran fest, und nun fuhr er mit.
Es ging rascher und rascher, gerade hinein in die nächste Strasse;
der, welcher fuhr, drehte sich um, nickte dem Kay freundlich zu; es
war, als ob sie einander kannten. Jedesmal, wenn Kay seinen kleinen
Schlitten ablösen wollte, nickte der Fahrende wieder, und dann blieb
Kay sitzen; sie fuhren zum Stadttor hinaus. Da begann der Schnee so
hernieder zu fallen, dass der kleine Knabe keine Hand vor sich
erblicken konnte; aber er fuhr weiter. Nun liess er schnell die Schnur
fahren, um von dem grossen Schlitten loszukommen, aber das half
nichts, sein kleines Fuhrwerk hing fest, und es ging mit Windeseile
vorwärts. Da rief er ganz laut, aber niemand hörte ihn, und der
Schnee stob, und der Schlitten flog von dannen; mitunter gab es einen
Sprung; es war, als führe er über Gräben und Hecken. Der Knabe war
ganz erschrocken; er wollte sein Vaterunser beten, aber er konnte sich
nur des grossen Einmaleins entsinnen.
Die Schneeflocken wurden grösser und grösser; zuletzt sahen sie aus
wie grosse weisse Hühner. Auf einmal sprangen sie zur Seite; der
grosse Schlitten hielt, und die Person, die in ihm fuhr, erhob sich;
der Pelz und die Mütze waren ganz und gar von Schnee; es war eine
Dame, hoch und schlank, glänzend weiss; es war die Schneekönigin.
“Wir sind gut gefahren!” sagte sie. “Aber wer wird frieren!
Krieche in meinen Bärenpelz!” Und sie setzte ihn neben sich in den
Schlitten und schlug den Pelz um ihn; es war, als versinke er in einem
Schneetreiben.
“Friert dich noch?” fragte sie, und dann küsste sie ihn auf die
Stirn. Oh! das war kälter als Eis; das ging ihm gerade hinein bis ins
Herz, welches ja doch zur Hälfte ein Eisklumpen war. Es war, als
sollte er sterben; aber nur einen Augenblick, dann tat es ihm recht
wohl; er spürte nichts mehr von der Kälte ringsumher.


“Meinen Schlitten! Vergiss nicht meinen Schlitten!” Daran dachte
er zuerst, und der wurde an eins der weissen Hühnchen festgebunden,
und dieses flog hinterher mit dem Schlitten auf dem Rücken. Die
Schneekönigin küsste Kay nochmals, und da hatte er die kleine Gerda,
die Grossmutter und alle daheim vergessen.
“Nun bekommst du keine Küsse mehr!” sagte sie; “denn sonst
küsste ich dich tot!”
Kay sah sie an; sie war so schön; ein klügeres, lieblicheres Antlitz
konnte er sich nicht denken. Nun erschien sie ihm nicht von Eis wie
damals, als sie draussen vor dem Fenster sass und ihm winkte; in
seinen Augen war sie vollkommen; er fühlte gar keine Furcht. Er
erzählte ihr, dass er kopfrechnen könne, und zwar mit Brüchen; er
wisse des Landes Quadratmeilen und die Einwohnerzahl; sie lächelte
immer. Da kam es ihm vor, als sei es doch nicht genug, was er wisse;
und er blickte hinauf in den grossen Luftraum; und sie flog mit ihm,
flog hoch hinauf auf die schwarze Wolke, und der Sturm sauste und
brauste; es war, als sänge er alte Lieder. Sie flogen über Wälder
und Seen, über Meere und Länder; unter ihnen sauste der kalte Wind,
die Wölfe heulten, der Schnee knisterte; über demselben flogen die
schwarzen, schreienden Krähen dahin; aber hoch oben schien der Mond
so gross und klar, und dort betrachtete Kay die lange, lange
Winternacht. Am Tage schlief er zu den Füssen der Schneekönigin.
Dritte Geschichte
Der Blumengarten bei der Frau, welche zaubern konnte.
Aber wie erging es der kleinen Gerda, als Kay nicht zurückkehrte? Wo
war er nur geblieben? Niemand wusste es, niemand konnte Bescheid
geben. Die Knaben erzählten nur, dass sie ihn seinen Schlitten an
einen mächtig grossen hätten binden sehen, der in die Strasse hinein
und zu dem Stadttor hinausgefahren sei. Niemand wusste, wo er war, und
viele Tränen flossen. Die kleine Gerda weinte so viel und so lange,
denn sagte sie, er sei tot, er sei im Fluss ertrunken, der nahe bei
der Schule vorbeifloss; oh, das waren recht lange, finstere
Wintertage!
Nun kam der Frühling mit wärmerem Sonnenschein.
“Kay ist tot und fort!” sagte die kleine Gerda.
“Das glaube ich nicht!” antwortete der Sonnenschein.
“Er ist tot und fort!” sagte sie zu den Schwalben.
“Das glauben wir nicht!” erwiderten diese, und am Ende glaubte die
kleine Gerda es auch nicht.
“Ich will meine neuen roten Schuhe anziehen”, sagte sie eines
Morgens, “die, welche Kay nie gesehen hat, und dann will ich zum
Fluss hinuntergehen und den nach ihm fragen!”
Und es war noch ganz früh; sie küsste die alte Grossmutter, die noch
schlief, zog die roten Schuhe an und ging ganz alleine aus dem
Stadttor zu dem Fluss. “Ist es war, das du mir meinen kleinen
Spielkameraden genommen hast? Ich will dir meine roten Schuhe
schenken, wenn du ihn mir wiedergeben willst!”
Und es war ihr, als nickten die Wellen so sonderbar. Da nahm sie ihre
roten Schuhe, die sie am liebsten hatte, und warf sie alle beide in
den Fluss hinein; aber sie fielen dicht an das Ufer, und die kleinen
Wellen trugen sie ihr wieder an das Land. Es war gerade, als wollte
der Fluss nicht das liebste, was sie besass, weil er den kleinen Kay
ja nicht hatte. Aber sie glaubte nun, dass sie die Schuhe nicht weit
genug hinausgeworfen habe; und so kroch sie in ein Boot, welches im
Schilf lag. Sie ging ganz an das äusserste Ende desselben und warf
die Schuhe von da in das Wasser; aber das Boot war nicht festgebunden,
und bei der Bewegung, welche sie verursachte, glitt es vom Land ab.
Sie bemerkte es und beeilte sich, herauszukommen; doch ehe sie
zurückkam, war das Boot über eine Elle vom Lande, und nun trieb es
schneller von dannen. Da erschrak die kleine Gerda sehr und fing an zu
weinen; allein niemand ausser den Sperlingen hörte sie, und die
konnten sie nicht an das Land tragen. Aber sie flogen längs dem Ufer
und sangen, gleichsam um sie zu trösten: “Hier sind wir, hier sind
wir!” Das Boot trieb mit dem Strom; die kleine Gerda sass ganz
still, nur mit Strümpfen an den Füssen; ihre kleinen roten Schuhe
trieben hinter ihr her; aber sie konnten das Boot nicht erreichen, das
hatte stärkere Fahrt. Hübsch war es an beiden Ufern; schöne Blumen,
alte Bäume und Hänge mit Schafen und Kühen; aber nicht ein Mensch
war zu erblicken. “Vielleicht trägt mich der Fluss zu dem kleinen
Kay”, dachte Gerda, und da wurde sie heiterer, erhob sich und
betrachtete viele Stunden die grünen, schönen Ufer. Dann gelangte
sie zu einem grossen Kirschgarten, in welchem ein kleines Haus mit
sonderbaren roten und blauen Fenstern war; übrigens hatte es ein
Strohdach, und im Garten standen zwei hölzerne Soldaten, die vor der
Vorbeisegelnden das Gewehr schulterten.
Gerda rief nach ihnen; sie glaubte, dass sie lebendig seien; aber sie
antworteten natürlich nicht. Sie kam ihnen ganz nahe, denn der Fluss
trieb das Boot gerade auf das Land zu.
Gerda rief noch lauter, und da kam eine alte, alte Frau aus dem Hause,
die sich auf einen Krückstock stützte; sie hatte einen grossen
Sonnenhut auf, und der war mit den schönsten Blumen bemalt.
“Du armes, kleines Kind!” sagte die alte Frau; “wie bist du doch
auf den grossen, reissenden Strom gekommen und weit in die Welt
hinausgetrieben!” Und dann ging die alte Frau ganz in das Wasser
hinein, erfasste mit ihrem Krückstock das Boot, zog es an das Land
und hob die kleine Gerda heraus.
Und Gerda war froh, wieder auf das Trockene zu gelangen, obgleich sie
sich vor der fremden alten Frau ein wenig fürchtete.
“Komm doch und erzähle mir, wer du bist und wie du hierher
kommst!” sagte sie.
Und Gerda erzählte ihr alles; und die Alte schüttelte den Kopf und
sagte: “Hm! Hm!” und als ihr Gerda alles gesagt und gefragt hatte
ob sie nicht den kleinen Kay gesehen habe, sagte die Frau, dass er
nicht vorbeigekommen sei, aber er werde wohl noch kommen. Sie solle
nur nicht betrübt sein, sondern ihre Kirschen kosten und ihre Blumen
betrachten; die seien schöner als irgendein Bilderbuch; eine jede
könne eine Geschichte erzählen, und die alte Frau schloss die Tür
zu.
Die Fenster lagen sehr hoch, und die Scheiben waren rot, blau und
gelb; das Tageslicht schien mit allen Farben gar sonderbar herein,
aber auf dem Tisch standen die schönsten Kirschen, und Gerda ass
davon, soviel sie wollte, denn das war ihr erlaubt. Während sie ass,
kämmte die alte Frau ihr Haar mit einem goldenen Kamm, und das Haar
ringelte sich und glänzte herrlich golden rings um das kleine
freundliche Antlitz, welches so rund war und wie eine Rose aussah.
“Nach einem so lieben, kleinen Mädchen habe ich mich schon lange
gesehnt”, sagte die Alte. “Nun wirst du sehen, wie gut wir
miteinander leben werden!” Und so wie sie der kleinen Gerda Haar
kämmte, vergass Gerda mehr und mehr ihren Spielgefährten Kay; denn
die alte Frau konnte zaubern; aber eine böse Zauberin war sie nicht.
Sie zauberte nur ein wenig zu ihrem Vergnügen und wollte gern die
kleine Gerda behalten. Deshalb ging sie in den Garten, steckte ihren
Krückstock gegen alle Rosensträucher aus, und wie schön sie auch
blühten, so sanken sie doch alle in die schwarze Erde hinunter, und
man konnte nicht sehen, wo sie gestanden hatten. Die Alte fürchtete,
wenn Gerda die Rosen erblickte, möchte sie an ihre eigenen denken,
sich dann des kleinen Kay erinnern und davonlaufen.
Nun führte sie Gerda hinaus in den Blumengarten. Was war da für ein
Duft und eine Herrlichkeit! Alle nur denkbaren Blumen, und zwar für
jede Jahreszeit, standen hier im prächtigsten Flor; kein Bilderbuch
konnte bunter und schöner sein. Gerda sprang vor Freude hochauf und
spielte, bis die Sonne hinter den hohen Kirschbäumen unterging, da
bekam sie ein schönes Bett mit roten Seidenkissen, die waren mit
bunten Veilchen gestopft; und sie schlief und träumte so herrlich wie
nur eine Königin an ihrem Hochzeitstag.
Am nächsten Tag konnte sie wieder mit den Blumen im warmen
Sonnenschein spielen, und so verflossen viele Tage. Gerda kannte jede
Blume; aber wieviel derer auch waren, stets war es ihr doch, als ob
eine fehle, allein welche, das wusste sie nicht. Da sitzt sie eines
Tages und betrachtet der alten Frau Sonnenhut mit den gemalten Blumen,
und gerade die schönste darunter war eine Rose. Die Alte hatte
vergessen, diese vom Hut wegzunehmen, als sie die andern in die Erde
senkte. Aber so ist es, wenn man die Gedanken nicht immer beisammen
hat! “Was, sind hier keine Rosen?” sagte Gerda und sprang zwischen
die Beete, suchte und suchte; ach, da war keine zu finden. Nun setzt
sie sich hin und weinte, aber ihre Tränen fielen gerade auf eine
Stelle, wo ein Rosenstrauch verschwunden war, und als die warmen
Tränen die Erde bewässerten, schoss der Strauch auf einmal empor, so
blühend, wie er versunken war und Gerde umarmte ihn, küsste die
Rosen und gedachte der herrlichen Rosen daheim und mit ihnen auch des
kleinen Kay.
“Oh, wie bin ich aufgehalten worden!” sagte das kleine Mädchen.
“Ich wollte ja den kleinen Kay suchen! Wisst ihr nicht, wo er
ist?” fragte sie die Rosen. “Glaubt ihr, dass er tot ist?”
“Tot ist er nicht”, antworteten die Rosen. “Wir sind ja in der
Erde gewesen; dort sind alle Toten, aber Kay war nicht da.”
“Ich danke euch”, sagte die kleine Gerda und ging zu den anderen
Blumen hin, sah in deren Kelche hinein und fragte: “Wisst ihr nicht,
wo der kleine Kay ist?”
Aber jede Blume stand in der Sonne und träumte ihr eigenes Märchen
oder Geschichtchen; davon hörte Gerda so viele, viele; aber keine
wusste etwas von Kay.
Und was sagte die Feuerlilie? “Hörst du die Trommel: bum! bum! Es
sind nur zwei Töne; immer: bum! bum! Höre der Frauen Trauergesang,
höre den Ruf der Priester. In ihrem langen roten Mantel steht das
Hindu-Weib auf dem Scheiterhaufen; die Flammen lodern um sie und ihren
toten Mann empor; aber das Hindu-Weib denkt an den Lebenden hier im
Kreise, an ihn, dessen Auge heisser denn die Flammen brennen, an ihn,
dessen Augenfeuer ihr Herz stärker berührt als die Flammen, welche
bald ihren Körper zu Asche verbrennen. Kann die Flamme des
Scheiterhaufens ersterben?” “Das verstehe ich durchaus nicht”,
sagte die kleine Gerda. “Das ist mein Märchen!” sagte die
Feuerlilie.
Was sagte die Winde? “Über den schmalen Feldweg hinaus hängt eine
alte Ritterburg; das dichte Immergrün wächst um die alten roten
Mauern empor, Blatt an Blatt um den Altan herum, und da steht ein
schönes Mädchen, es beugt sich über das Geländer hinaus und sieht
den Weg hinunter. Keine Rose hängt frischer an den Zweigen als
dasselbe, keine Apfelblüte, wenn der Wind sie dem Baume entführt
schwebt leichter dahin als dieses; wie rauscht das prächtige
Seidengewand. ‘Kommt er noch nicht?’ ” “Ist es Kay, den du
meinst?” fragte die kleine Gerda. “Ich spreche nur von meinem
Märchen, meinem Traum”, erwiderte die Winde.
Was sagte die kleine Schneeblume? “Zwischen den Bäumen hängt an
Seilen das lange Brett; das ist eine Schaukel. Zwei niedliche kleine
Mädchen – die Kleider sind weiss wie der Schnee, lange grüne
Seidenbänder flattern von den Hüten – sitzen darauf und schaukeln
sich; der Bruder, welcher grösser ist als sie, steht in der Schaukel.
Er hat den Arm um das Seil geschlungen, um sich zu halten, denn in der
einen Hand hat er eine kleine Schale, in der andern eine Tonpfeife; er
bläst Seifenblasen. Die Schaukel geht, und die Blasen steigen mit
schönen, wechselnden Farben empor; die letzte hängt noch am
Pfeifenstiel und biegt sich im Winde. Die Schaukel geht; der kleine
schwarze Hund, leicht wie die Blasen, erhebt sich auf den
Hinterfüssen und will mit in die Schaukel; sie fliegt; der Hund
fällt, bellt und ist böse; er wird geneckt, die Blasen bersten. Ein
schaukelndes Brett, ein zerspringendes Schaumbild ist mein Gesang!”
“Es ist möglich, dass es hübsch ist, was du da erzählst; aber du
sagst es so traurig und erwähnst den kleinen Kay gar nicht.”
Was sagten die Hyazinthen? “Es waren drei schöne Schwestern, gar
durchsichtig und fein; der einen Kleid war rot, das der anderen blau,
der dritten ihres ganz weiss; Hand in Hand tanzten sie beim stillen
See im hellen Mondenschein. Es waren keine Elfen, es waren
Menschenkinder. Dort duftete es herrlich, und die Mädchen
verschwanden im Wald. Der Duft wurde stärker; drei Särge, darin
lagen die schönen Mädchen, glitten von des Waldes Dickicht über den
See dahin; die Johanniswürmchen flogen leuchtend ringsumher wie
kleine schwebende Lichter. Schlafen die tanzenden Mädchen, oder sind
sie tot? Der Blumenduft sagt, sie sind Leichen; die Abendglocke
läutet den Grabgesang!” “Du machst mich ganz betrübt”, sagte
die kleine Gerda. “Du duftest so stark; ich muss an die toten
Mädchen denken! Ach, ist denn der kleine Kay wirklich tot? Die Rosen
sind unten in der Erde gewesen, und die sagen nein!” “Kling,
klang!” läuten die Hyazinthen-Glocken. “Wir läuten nicht für
den kleinen Kay, wir kennen ihn nicht; wir singen nur unser Lied, das
einzige, welches wir kennen.”
Und Gerda ging zur Butterblume, die aus den glänzenden, grünen
Blättern hervorschien. “Du bist eine kleine helle Sonne!” sagte
Gerda. “Sage mir, ob du weisst, wo ich meinen Gespielen finden
kann?” Und die Butterblume glänzte so schön und sah wieder auf
Gerda. Welches Lied konnte wohl die Butterblume singen? Es handelte
auch nicht vom Kay. “In einem kleinen Hof schien die liebe
Gottessonne am ersten Frühlingstage sehr warm; die Strahlen glitten
an des Nachbarhauses weissen Wänden herab. Dicht dabei wuchs die
erste gelbe Blume und glänzte golden in den warmen Sonnenstrahlen.
Die alte Grossmutter sass draussen in ihrem Stuhl. Die Enkelin, ein
armes, schönes Dienstmädchen kehrte von einem kurzen Besuch heim.
Sie küsste die Grossmuter; es war Gold, Herzensgold in dem gesegneten
Kuss. Gold im Munde, Gold im Grunde, Gold in der Morgenstunde! Sieh,
das ist meine kleine Geschichte!” sagte die Butterblume.
“Meine arme, alte Grossmutter!” seufzte Gerda. “Ja, sie sehnt
sich gewiss nach mir und grämt sich um mich, ebenso wie sie es um den
kleinen Kay tat. Aber ich komme bald wieder nach Hause, und dann
bringe ich Kay mit. Es nützt nichts, dass ich die Blumen frage, die
wissen nur ihr eigenes Lied; sie geben mir keinen Bescheid!” Und
dann band sie ihr kleines Kleid auf, damit sie rascher laufen könne;
aber die Pfingstlilie schlug ihr über das Bein, als sie darüber
hinsprang. Da blieb sie stehen, betrachtete die lange gelbe Blume und
fragte: “Weisst du vielleicht etwas'?” Und sie bog sich ganz zur
Pfingstlilie hinab; und was sagte die?
“Ich kann mich selbst erblicken! Ich kann mich selbst sehen!”
sagte die Pfingstlilie. “Oh, oh, wie ich rieche! Oben in dem kleinen
Erkerzimmer steht, halb angekleidet, eine kleine Tänzerin; sie steht
bald auf einem Bein, bald auf beiden. Sie tritt die ganze Welt mit
Füssen; sie ist nichts als Augentäuschung. Sie giesst Wasser aus dem
Teetopf auf ein Stück Zeug aus, welches sie hält; es ist der
Schnürleib; Reinlichkeit ist eine schöne Sache! Das weisse Kleid
hängt am Haken; das ist auch im Teetopf gewaschen und auf dem Dach
getrocknet; sie zieht es an und schlägt das safrangelbe Tuch um den
Hals; nun scheint das Kleid noch weisser. Das Bein ausgestreckt! Sieh,
wie sie auf einem Stiele prangt! Ich kann mich selbst erblicken! Ich
kann mich selbst sehen!” “Darum kümmere ich mich gar nicht!”
sagte Gerda. “Das brauchst du mir nicht zu erzählen”; und dann
lief sie nach dem Ende des Gartens.
Die Tür war verschlossen, aber sie drückte auf die verrostete
Klinke, so dass diese abging; die Tür sprang auf, und die kleine
Gerda lief barfüssig in die weite Welt hinaus. Sie blickte dreimal
zurück, aber niemand war da, der sie verfolgte, zuletzt konnte sie
nicht mehr laufen und setzte sich auf einen grossen Stein; und als sie
sich umsah, war es mit dem Sommer vorbei. Es war Spätherbst; das
konnte man in dem schönen Garten gar nicht bemerken, wo immer
Sonnenschein und Blumen aller Jahreszeiten waren.
“Gott, wie habe ich mich verspätet!” sagte die kleine Gerda.
“Es ist ja Herbst geworden! Da darf ich nicht ruhen!” Und sie
erhob sich, um zu gehen.
Oh, wie waren ihre kleinen Füsse wund und müde! Ringsumher sah es
kalt und rauh aus; die langen Weidenblätter waren ganz gelb, und der
Trau tröpfelte als Wasser herab. Ein Blatt fiel nach dem andern ab;
nur der Schlehdorn trug noch Früchte, die waren aber herbe und zogen
ihr den Mund zusammen. Oh, wie war es grau und schwer in der weiten
Welt!
Vierte Geschichte
Prinz und Prinzessin
Gerda musste wieder ausruhen; da hüpfte dort auf dem Schnee, der
Stelle, wo sie sass, gerade gegenüber, eine grosse Krähe; die hatte
lange ruhig gesessen, sie betrachtet und mit dem Kopf gewackelt. Nun
sagte sie: “Kra! Kra – Gu' Tag! Gu' Tag”. Besser konnte sie es
nicht herausbringen, aber sie meinte es gut mit dem kleinen Mädchen
und frage, wohin sie so allein in die weite Welt hinausginge. Das Wort
allein verstand Gerda sehr wohl und fühlte recht, wieviel darin liegt;
und sie erzählte der Krähe ihr ganzes Leben und Schicksal und
fragte, ob sie Kay nicht gesehen habe.
Und die Krähe nickte ganz bedächtig und sagte: “Das könnte sein!
Das könnte sein!” “Wie? Glaubst du?” rief das kleine Mädchen
und hätte fast die Krähe tot gedrückt: so küsste sie diese.
“Vernünftig, vernünftig!” sagte die Krähe. “Ich glaube, ich
weiss; ich glaube, es kann sein; der kleine Kay – aber nun hat er
dich sicher über der Prinzessin vergessen!” “Wohnt er bei einer
Prinzessin?” frage Gerda. “Ja, höre!” sagte die Krähe. “Aber
es fällt mir so schwer, deine Sprache zu reden. Verstehst du die
Krähensprache, dann will ich besser erzählen.” “Nein, die habe
ich nicht gelernt”, sagte Gerda; “aber die Grossmutter verstand
sie, und auch sprechen konnte sie diese Sprache. Hätte ich sie nur
gelernt!” “Tut gar nichts!” sagte die Krähe. “Ich werde
erzählen, so gut ich kann; aber schlecht wird es gehen”; und dann
erzählte sie, was sie wusste.
“In diesem Königreich, in welchem wir jetzt sitzen, wohnt eine
Prinzessin, die ist ganz unbändig klug; aber sie hat auch alle
Zeitungen, die es in der Welt gibt, gelesen und wieder vergessen, so
klug ist sie. Neulich sass sie auf dem Thron, und das ist doch nicht
so angenehm, sagt man; da fängt sie an, ein Lied zu singen, und das
war gerade dieses: ‘Weshalb sollt' ich wohl heiraten!’ ‘Höre,
da ist etwas daran’, sagte sie, und so wollte sie sich verheiraten;
aber sie wollte einen Mann haben, der zu antworten verstehe, wenn man
mit ihm spräche; einen, der nicht bloss dastände und vornehm
aussähe, denn das sei zu langweilig. Nun liess sie alle Hofdamen
zusammentrommeln, und als diese hörten, was sie wollte, wurden sie
sehr vergnügt. ‘Das mag ich leiden!’ sagten sie; ‘daran dachte
ich neulich auch!’ – Du kannst glauben, dass jedes Wort, was ich
sage, wahr ist!” sagte die Krähe. “Ich habe eine zahme Geliebte,
die geht frei im Schlosse umher, und die hat mir alles erzählt!”
Die Geliebte war natürlicherweise auch eine Krähe. Denn eine Krähe
sucht die andere, und es bleibt immer eine Krähe.
“Die Zeitungen kamen sogleich mit einem Rand von Herzen und der
Prinzessin Namenszug heraus; man konnte darin lesen, dass es einem
jeden jungen Manne, der gut aussehe, freistehe, auf das Schloss zu
kommen und mit der Prinzessin zu sprechen, und derjenige, welcher am
besten und so spräche, dass man hören könne, er sei in dem, was er
spräche, zu Hause, den wolle die Prinzessin zum Manne nehmen.” –
“Ja, Ja”, sprach die Krähe, “du kannst es mir glauben, es ist
so gewiss wahr, wie ich hier sitze. Junge Männer strömten herzu; es
war ein Gedränge und ein Gelaufe; aber es glückte keinem, weder am
ersten nach am zweiten Tag. Sie konnten alle gut sprechen, wenn sie
draussen auf der Strasse waren, aber wenn sie in das Schlosstor traten
und dort die Gardisten in Silber sahen und auf den Treppen die Lakaien
in Gold und die grossen erleuchteten Säle, dann wurden sie verwirrt.
Und standen sie gar vor dem Throne, wo die Prinzessin sass, dann
wussten sie nichts zu sagen als das letzte Wort, das die gesprochen
hatte; und das noch einmal zu hören, dazu hatte sie keine Lust. Es
war gerade, als ob sie drinnen Schnupftabak auf den Magen bekommen
hätten und in den Schlaf gefallen wären, bis sie wieder auf die
Strasse kamen, denn dann konnten sie sprechen. Da stand eine Reihe vom
Stadttor bis zum Schlosse hin. Ich war selbst drinnen, um es zu
sehen!” sage die Krähe. “Sie wurden hungrig und durstig, aber auf
dem Schloss erhielten sie nicht einmal ein Glas laues Wasser. Zwar
hatten einige der Klügsten, Butterbrot mitgebracht, aber sie teilten
nicht mir ihrem Nachbarn; sie dachten so: lass ihn nur hungrig
aussehen, dann nimmt ihn die Prinzessin nicht!”
“Aber Kay, der kleine Kay!” fragte Gerda. “Wann kam der? War er
unter der Menge?” “Warte! warte! jetzt sind wir gerade bei ihm! Es
war am dritten Tag, da kam eine kleine Person, ohne Pferd oder Wagen,
ganz fröhlich gerade auf das Schloss zumarschiert; seine Augen
glänzten wie deine; er hatte schöne lange Haare, aber sonst
ärmliche Kleider.” “Das war Kay!” jubelte Gerda. “Oh, dann
habe ich ihn gefunden!” und sie klatschte in die Hände.
“Er hatte ein kleines Ränzel auf dem Rücken!” sagte die Krähe.
“Nein, das war sicher sein Schlitten!” sagte Gerda; “denn mit
dem Schlitten ging er fort!” “Das kann wohl sein”, sagte die
Krähe, “ich sah nicht so genau danach! Aber das weiss ich von
meiner zahmen Geliebten; als er in das Schlosstor kam und die
Leibgardisten in Silber sah und auf den Treppen die Lakaien in Gold,
dass er nicht im mindesten verlegen wurde; er nickte und sagte zu
ihnen: ‘es muss langweilig sein, auf der Treppe zu stehen; ich gehe
lieber hinein!’. Da glänzten die Säle von Lichtern; Geheimräte
und Exzellenzen gingen mit blossen Füssen und trugen Goldgefässe;
man konnte wohl andächtig werden! Seine Stiefel knarrten gar gewaltig
laut, aber ihm wurde doch nicht bange.”
“Das ist ganz gewiss Kay!” sagte Gerda. “Ich weiss, er hatte
neue Stiefel an, ich habe sie in der Grossmutter Stube knarren
hören!”
“Ja, freilich knarrten sie!” sagte die Krähe. “Und frischen
Muts ging er gerade zur Prinzessin hinein, die auf einer grossen Perle
sass, welche so gross wie ein Spinnrad war; und alle Hofdamen mit
ihren Jungfern und den Jungfern der Jungfern und alle Kavaliere mit
ihren Dienern und den Dienern der Diener, die wieder einen Burschen
hielten, standen ringsherum aufgestellt; und je näher sie der Türe
standen, desto stolzer sahen sie aus. Des Dieners Diener Burschen, der
immer in Pantoffeln geht, darf man kaum anzusehen wagen; so stolz
steht er an der Tür!”
“Das muss greulich sein!” sagte die kleine Gerda. “Und Kay hat
doch die Prinzessin erhalten?”
“Wäre ich nicht eine Krähe gewesen, so hätte ich sie genommen,
und das ungeachtet ich verlobt bin. Er soll ebenso gut gesprochen
haben, wie ich spreche, wenn ich die Krähensprache rede; das habe ich
von meiner zahmen Geliebten gehört. Er war fröhlich und niedlich, Er
war nicht gekommen zum Freien, sondern nur, um der Prinzessin Klugheit
zu hören; und die fand er gut, und sie fand ihn wieder gut.”
“Ja, sicher! das war Kay!” sagte Gerda. “Er war so klug; er
konnte die Kopfrechnung mit Brüchen! Oh, willst du mich nicht auf dem
Schloss einführen?”
“Ja, das ist leicht gesagt!” antwortete die Krähe. “Aber wie
machen wir das? Ich werde es mit meiner zahmen Geliebten besprechen;
sie kann uns wohl Rat erteilen; denn das muss ich dir sagen: so ein
kleines Mädchen, wie du bist, bekommt nie die Erlaubnis, ganz hinein
zu kommen!”
“Ja, die erhalten ich!” sagte Gerda. “Wenn Kay hört, dass ich
da bin, kommt er gleich heraus und holt mich!” “Erwarte mich dort
am Gitter!” sagte die Krähe, wackelte mit dem Kopfe und flog davon.
Erst als es spät am Abend war, kehrte die Krähe wieder zurück.
“Rar! Rar!” sagte sie. “Ich soll dich vielmal von ihr grüssen,
und hier ist ein kleines Brot für dich, dass nahm sie aus der Küche;
dort ist Brot genug, und du bist sicher hungrig. Es ist nicht
möglich, dass du in das Schloss hineinkommen kannst: du bist ja
barfuss. Die Gardisten in Silber und Lakaien in Gold würden es nicht
erlauben. Aber weine nicht! Du sollst schon hinaufkommen. Meine
Geliebte kennt eine kleine Hintertreppe, die zum Schlafgemach führt,
und sie weiss, wo sie den Schlüssel erhalten kann.”
Und die gingen in den Garten hinein, in die grosse Allee, wo ein Blatt
nach dem anderen abfiel; und als auf dem Schloss die Lichter
ausgelöscht wurden, das eine nach dem andern, führte die Krähe die
kleine Gerda zu einer Hintertür, die nur angelehnt war.


Oh, wie Gerdas Herz vor Angst und Sehnsucht pochte! Es war gerade, als
ob sie etwas Böses tun wollte; und sie wollte ja doch nur wissen, ob
es der kleine Kay sei. Ja, er musste es sein; sie gedachte so lebendig
seiner klugen Augen, seines langen Haares; sie konnte ordentlich
sehen, wie er lächelte, wie damals, als sie daheim unter den Rosen
sassen. Er würde sicher froh werden, sie zu erblicken; zu hören,
welchen langen Weg sie um seinetwillen zurückgelegt; zu wissen, wie
betrübt sie alle daheim gewesen, als er nicht wiedergekommen. Oh, das
war eine Furcht und eine Freude!
Nun waren sie auf der Treppe; da brannte eine kleine Lampe auf einem
Schrank; mitten auf dem Fussboden stand die zahme Krähe; “Ihre
Vita, wie man es nennt, ist auch sehr rührend. Wollen Sie die Lampe
nehmen, dann werde ich vorausgehen. Wir gehen hier den geraden Weg,
denn da begegnen wir niemandem.”
“Es ist mir, als ginge jemand hinter uns”, sagte Gerda: und es
sauste an ihr vorbei. Es war wie Schatten an der Wand: Pferde mit
fliegenden Mähnen und dünnen Beinen, Jägerburschen, Herren und
Damen zu Pferde.
“Das sind nur Träume”, sagte die Krähe; “die kommen und holen
der hohen Herrschaft Gedanken zur Jagd. Das ist recht gut, dann
können Sie sie besser im Bette betrachten. Aber ich hoffe, wenn Sie
zu Ehren und Würden gelangen, werden Sie ein dankbares Herz
zeigen.”
“Das versteht sich von selbst!” sagte die Krähe vom Walde. “Nun
kamen sie in den ersten Saal; der war von rosenrotem Atlas mit
künstlichen Blumen an den Wänden hinauf; hier sausten an ihnen schon
die Träume vorbei; aber sie fuhren so schnell, dass Gerda die hohen
Herrschaften nicht zu sehen bekam. Ein Saal war immer prächtiger als
der andere; ja man konnte verdutzt werden”. Nun waren sie im
Schlafgemach. Hier glich die Decke einer grossen Palme mit Blättern
von Glas, von kostbarem Glase; und mitten auf dem Fussboden hingen an
einem dicken Stengel von Gold zwei Betten, von denen jedes wie eine
Lilie aussah; die eine war weiss, in der lag die Prinzessin; die
andere war rot, und in dieser sollte Gerda den kleinen Kay suchen. Sie
bog eines der roten Blätter zur Seite, und da sah sie einen braunen
Nacken.
Oh, das war Kay! Sie rief ganz lauf seinen Namen, hielt die Lampe nach
ihm hin – die Träume sausten zu Pferde wieder in die Stube herein
– er erwachte, drehte den Kopf und und – es war nicht der kleine
Kay.
Der Prinz glich ihm nur im Nacken; aber jung und Hübsch war er. Und
aus dem weissen Lilienblatt blinzelte die Prinzessin hervor und frage,
wer da sei. Da weinte die kleine Gerda und erzählte ihre ganze
Geschichte und alles, was die Krähen für sie getan hätten.
“Du armes Kind!” sprach der Prinz und die Prinzessin; und sie
belobten die Krähen und sagten, dass sie gar nicht böse auf sie
seien; aber sie sollten es doch nicht öfters tun. Übrigens sollten
sie eine Belohnung erhalten.
“Wollt ihr frei fliegen?” fragte die Prinzessin. “Oder wollt ihr
feste Anstellung als Hofkrähen haben, mit allem, was in der Küche
abfällt?” Und beide Krähen verneigten sich und baten um feste
Anstellung, denn sie gedachten des Alters und sagten: “Es wäre gar
schön, etwas für die alten Tage zu haben”, wie sie es nannten.
Und der Prinz stand aus seinem Bette auf und liess Gerda darin
schlafen, doch mehr konnte er nicht tun. Sie faltete ihre kleinen
Hände und dachte: “Wie gut sind die Menschen und die Tiere!” Und
dann schloss sie ihre Augen und schlief so sanft. Alle Träume kamen
wieder hereingeflogen, und da sahen sie wie Gottes Engel aus, und sie
zogen einen kleinen Schlitten, auf welchem Kay sass und nickte; aber
das Ganze war nur Traum, und deshalb war es auch wieder fort, sobald
sie erwachte.
Am folgenden Tag wurde sie von Kopf bis Fuss in Seide und Samt
gekleidet; es wurde ihr angeboten, auf dem Schloss zu bleiben und gute
Tage zu geniessen; aber sie bat nur um einen kleinen Wagen mit einem
Pferd davor und um ein Paar kleine Stiefel; dann wolle sie wieder in
die weite Welt hinausfahren und Kay suchen.
Und sie erhielt sowohl Stiefel als auch einen Muff; sie wurde niedlich
gekleidet, und als sie fort wollte, hielt vor der Tür eine neue
Kutsche aus reinem Gold; des Prinzen und der Prinzessin Wappen
glänzte an derselben wie ein Stern; Kutscher, Diener und Vorreiter,
denn es waren auch Vorreiter da, sassen mit Goldkronen auf dem Kopf zu
Pferde. Der Prinz und die Prinzessin selbst halfen ihr in den Wagen
und wünschten ihr alles Glück. Die Waldkrähe, welche nun
verheiratet war, begleitete sie die ersten drei Meilen; sie sass ihr
zur Seite, denn sie konnte nicht vertragen, rückwärts zu fahren. Die
andere Krähe stand in der Tür und schlug mit den Flügeln; sie kam
nicht mit, denn sie litt an Kopfschmerzen, seitdem sie eine feste
Anstellung und zuviel zu essen erhalten hatte. Inwendig war die
Kutsche mit Zuckerbrezeln gefüttert, und im Sitz waren Früchte und
Pfeffernüsse.
“Lebe wohl! Lebe wohl!” riefen der Prinz und die Prinzessin; und
die kleine Gerda weinte, und die Krähe weinte. So ging es die ersten
Meilen; da sagte auch die Krähe Lebewohl, und das war der schwerste
Abschied; sie flog auf einen Baum und schlug mit ihren schwarzen
Flügeln, so lange sie den Wagen, welcher wie der helle Sonnenschein
glänzte, erblicken konnte.
Fünfte Geschichte
Das kleine Räubermädchen
Sie fuhren durch den dunklen Wald, aber die Kutsche leuchtete wie eine
Fackel; das stach den Räubern in die Augen, das konnten sie nicht
ertragen. “Das ist Gold, das ist Gold!” riefen sie, stürzten
hervor, hielten die Pferde an, schlugen die kleinen Vorreiter, den
Kutscher und die Diener tot und zogen dann die kleine Gerda aus dem
Wagen.
“Sie ist fett, sie ist niedlich, sie ist mit Musskernen
gefüttert!” sagte das alte Räuberweib, das einen langen struppigen
Bart und Augenbrauen hatte, die ihm über die Augen herabhingen.
“Die ist so gut wie ein kleines fettes Lamm; wie wird die
schmecken!” Und dann zog es sein blankes Messer heraus, und das
glänzte, dass es grässlich war.
“Au!” sagte das Weib zu gleicher Zeit; es wurde von der eigenen
Tochter, die auf dessen Rücken hing, so wild und unartig in das Ohr
gebissen, dass es eine Lust war. “Du hässlicher Balg!” sagte die
Mutter und hatte nicht Zeit, Gerda zu schlachten.
“Sie soll mit mir spielen!” sagte das kleine Räubermädchen.
“Sie soll mir ihren Muff, ihr hübsches Kleid geben, bei mir in
meinem Bette schlafen!” Und dann bis sie wieder, dass das
Räuberweib in die Höhe sprang und sich ringsherum drehte. Und alle
Räuber lachten und sagten: “Seht, wie es mit seinem Kalbe tanzt!”
“Ich will in den Wagen hinein”, sagte das kleine Räubermädchen.
Und es musste und wollte seinen Willen haben, denn es war ganz
verzogen und sehr hartnäckig! Es sass mit Gerda drinnen, und so
fuhren sie über Stock und Stein immer tiefer in den Wald. Das kleine
Räubermädchen war so gross wie Gerda, aber stärker,
breitschultriger und von dunkler Haut; die Augen waren ganz schwarz;
sie sahen fast traurig aus. Sie fasste die kleine Gerda um den Leib
und sagte: “Sie sollen dich nicht schlachten, so lange ich dir nicht
böse werde. Du bist wohl eine Prinzessin?”
“Nein”, sagte Gerda und erzählte ihr alles, was sie erlebt hatte
und wie sehr sie den kleinen Kay lieb hätte.
Das Räubermädchen betrachtete sie ganz ernsthaft, nickte ein wenig
mit dem Kopf und sagte: “Sie sollen dich nicht schlachten, selbst
wenn ich dir böse werde; dann werde ich es schon selber tun!” Und
dann trocknete sie Gerdas Augen und steckte ihre beiden Hände in den
schönen Muff, der gar weich und warm war.
Nun hielt die Kutsche still; sie waren mitten auf dem Hof eines
Räuberschlosses. Dasselbe war von oben bis unten geborsten; Raben und
Krähen flogen aus den offenen Löchern, und die grossen
Bullenbeisser, von denen jeder aussah, als könnte er einen Menschen
verschlingen, sprangen hoch empor aber sie bellten nicht, denn es war
verboten.
In dem grossen, alten, verräucherten Saal brannte mitten auf dem
steinernen Fussboden ein helles Feuer; der Rauch zog unter der Decke
hin und musste sich selbst den Ausweg suchen; ein grosser Braukessel
mit Suppe kochte, und Hasen wie Kaninchen wurden an Spiessen gebraten.
“Du sollst die Nacht mit mir bei allen meinen kleinen Tiefen
schlafen”, sagte das Räubermädchen. Sie bekamen zu essen und zu
trinken und gingen dann in eine Ecke, wo Stroh und Teppiche lagen.
Darüber sassen auf Latten und Stäben mehr als hundert Tauben, die
alle zu schlafen schienen, sich aber doch ein wenig drehten, als die
beiden kleinen Mädchen kamen.
“Die gehören alle mir!” sagte das kleine Räubermädchen und
ergriff rasch eine der nächsten, hielt sie bei den Füssen und
schüttelte sie, dass sie mit den Flügeln schlug. “Küsse sie!”
rief sie und schlug sie Gerda ins Gesicht. “Da sitzen die
Waldkanaillen”, fuhr es fort und zeigte hinter eine Anzahl Stäbe,
die vor einem Loch oben in die Mauer eingeschlagen waren. “Das sind
Waldkanaillen, die beiden; die fliegen gleich fort, wenn man sie nicht
ordentlich verschlossen hält; und hier steht mein alter liebster
Ba!” Und sie zog ein Rentier am Horn vor, welches einen blanken
kupfernen Ring um den Hals trug und angebunden war. “Den müssen wir
auch in der Klemme halten, sonst springt er von uns fort. An jedem
Abend kitzele ich ihn mit meinem scharfen Messer am Halse, davor
furchtet er sich sehr!” Und das kleine Mädchen zog ein langes
Messer aus einer Spalte in der Mauer und liess es über des Renntiers
Hals hingleiten; das arme Tier schlug mit den Beinen aus, das kleine
Räubermädchen lachte und zog dann Gerda mit in das Bett hinein.
“Willst du das Messer bei dir behalten, wenn du schläfst?” frage
Gerda und blickte es etwas furchtsam an.
“Ich schlafe immer mit dem Messer!” sagte das kleine
Räubermädchen. “Man weiss nie, was vorfallen kann. Aber fahre nun
fort mit dem, was du mir vorhin von dem kleinen Kay erzähltest und
weshalb du in die weite Welt hinausgegangen bist.” Und Gerda
erzählte wieder von vorn, und die Waldtauben gurrten oben im Käfig,
und die andern Tauben schliefen. Das kleine Räubermädchen legte
seinen Arm um Gerdas Hals, hielt das Messer in der andren Hand und
schlief, dass man es hören konnte; aber Gerda konnte ihre Augen nicht
schliessen, sie wusste nicht, ob sie leben oder sterben würde. Die
Räuber sassen rings um das Feuer, sangen und tranken, und das
Räuberweib überpurzelte sich. Oh, es war ganz grässlich für das
kleine Mädchen mit anzusehen.
Da sagten die Waldtauben: “Kurre! Kurre! wir haben den kleinen Kay
gesehen. Ein weisses Huhn trug seinen Schlitten; er sass im Wagen der
Schneekönigin, welcher dicht über den Wald hinfuhr, als wir im Nest
lagen; sie blies auf uns Junge, und ausser uns beiden starben alle.
Kurre! Kurre!” “Was sagt ihr da oben?” rief Gerda. “Wohin
reiste die Schneekönigin? Wisst ihr etwas davon?”
“Sie reiste wahrscheinlich nach Lappland, denn dort ist immer Schnee
und Eis! Frage das Rentier, welches am Strick angebunden steht.”
“Dort ist Eis und Schnee, dort ist es herrlich und gut!” sagte das
Rentier. “Dort springt man frei umher in den grossen glänzenden
Tälern! Dort hat die Schneekönigin ihr Sommerzelt; aber ihr festes
Schloss ist oben, gegen den Nordpol zu, auf der Insel, die Spitzbergen
genannt wird!” “O Kay, kleiner Kay!” seufzte Gerda. “Du musst
still liegen!” sagte das Räubermädchen; “Sonst stosse ich dir
das Messer in den Leib!”
Am Morgen erzählte Gerda ihr alles, was die Waldtauben gesagt hatten
und das kleine Räubermädchen sah ganz ernsthaft aus, nickte aber mit
dem Kopfe und sagte: “Das ist einerlei! Das ist einerlei! – Weisst
du, wo Lappland ist?” fragte sie das Rentier. “Wer könnte es wohl
besser wissen als ich?” sagte das Tier, und die Augen funkelten ihm
im Kopfe. “Dort bin ich geboren und erzogen; dort bin ich auf den
Schneefeldern herumgesprungen!”


“Höre!” sagte das Räubermädchen zu Gerda; “du siehst, alle
unsere Mannsleute sind fort, nur die Mutter ist noch hier, und die
bleibt; aber gegen Mittag trinkt sie aus der grossen Flasche und
schlummert nachher ein wenig darauf; dann werde ich etwas für dich
tun!” Nun sprang sie aus dem Bett, fuhr der Mutter um den Hals,
zupfte sie am Bart und sagte: “Mein einzig lieber Ziegenbock, guten
Morgen!” Und die Mutter gab ihr Nasenstüber, dass die Nase rot und
blau wurde; und das geschah alles aus lauter Liebe.
Als die Mutter dann aus ihrer Flasche getrunken hatte und darauf
einschlief, ging das Räubermädchen zum Rentier hin und sagte: “
Ich könnte grosse Freude daran haben, dich noch manches Mal mit dem
scharfen Messer zu kitzeln, denn dann bist du so possierlich; aber es
ist einerlei. Ich will deine Schnur lösen und dir hinaushelfen, damit
du nach Lappland laufen kannst; aber du musst tüchtig Beine machen
und dieses kleine Mädchen zum Schlosse der Schneekönigin bringen, wo
ihr Spielkamerad ist. Du hast wohl gehört, was sie erzählte, denn
sie sprach laut genug, und du horchtest!”
Das Rentier sprang vor Freude hochauf. Das Räubermädchen hob die
kleine Gerda hinaus und hatte die Vorsicht, sie fest zu binden, ja
sogar, ihr ein kleines Kissen zum Sitzen zu geben: “Da hast du auch
deine Pelzstiefel”, sagte sie, “denn es wird kalt; aber den Muff
behalte ich, der ist gar zu niedlich! Darum sollst du aber doch nicht
frieren. Hier hast du meiner Mutter grosse Fausthandschuhe, die
reichen dir gerade bis zum Ellbogen hinauf. Krieche hinein: Nun siehst
du an den Händen ebenso aus wie meine hässliche Mutter!”
Und Gerda weinte vor Freude. “Ich kann nicht leiden, dass du
weinst!” sagte das kleine Räubermädchen. “Jetzt musst du gerade
recht froh aussehen! Und da hast du zwei Brote und einen Schinken; nun
wirst du nicht hungern.” Beides wurde hinten auf das Rentier
gebunden, das kleine Räubermädchen öffnete die Tür, lochte alle
die grossen Hunde herein, durchschnitt dann den Strick mit ihrem
scharfen Messer und sagte zum Rentier: “Laufe nun! Aber gib auf das
kleine Mädchen recht acht!”
Und Gerda streckte die Hände mit den grossen Fausthandschuhen gegen
das Räubermädchen aus und sagte Lebewohl, und dann flog das Rentier
über Stock und Stein davon, durch den grossen Wald über Sümpfe und
Steppen, so schnell es nur konnte. Die Wölfe heulten, und die Raben
schrieen. – Fugt! Fugt! ging es am Himmel. Es war gleichsam, als ob
er rot niese.
“Das sind meine alten Nordlichter!” sagte das Rentier; “sieh,
wie sie leuchten!” Und dann lief es noch schneller davon, Tag und
Nacht. Die Brote wurden verzehrt, der Schinken auch, und dann waren
sie in Lappland.
Sechste Geschichte
Die Lappin und die Finnin
Bei einem kleinen Haus hielten sie an; es war sehr jämmerlich. Das
Dach ging bis zur Erde herunter, und die Tür war so niedrig, dass die
Familie auf dem Bauch kriechen musste, wenn sie heraus oder hinein
wollte. Hier war ausser einer alten Lappin, die bei einer Tranlampe
Fische kochte, niemand im Hause; und das Rentier erzählte Gerdas
ganze Geschichte, aber zuerst seine eigene, denn diese erschien ihm
weit wichtiger; und Gerda war so angegriffen von der Kälte, dass sie
nicht sprechen konnte.
“Ach, ihr Armen!” sagte die Lappin; “da habt ihr noch weit zu
laufen! Ihr müsst über hundert Meilen weit in Finnmarken hinein,
denn da wohnt die Schneekönigin auf dem Lande und brennt jeden Abend
bengalische Flammen. Ich werde einige Worte auf einen trocknen
Stockfisch schreiben, Papier habe ich nicht; den werde ich euch für
die Finnin dort oben mitgeben. Sie kann euch besser Bescheid erteilen
als ich!”
Und als Gerda nun erwärmt worden war und zu essen und zu trinken
bekommen hatte, schrieb die Lappin einige Worte auf einen trockenen
Stockfisch, bat Gerda, wohl darauf zu achten, band sie wieder auf dem
Rentier fest, und dieses sprang davon. Fugt! Fugt! ging es oben in der
Luft; die ganze Nacht brannten die schönsten blauen Nordlichter. Und
dann kamen sie nach Finnmarken und klopften an den Schornstein der
Finnin, denn sie hatte nicht einmal eine Tür.
Da war eine solche Hitze drinnen, dass die Finnin selbst fast völlig
nackt ging. Sie war klein und ganz schmutzig. Sofort zog sie der
kleinen Gerda die Fausthandschuhe und Stiefel aus, denn sonst wäre es
ihr zu heiss geworden, legte dem Rentier ein Stück Eis auf den Kopf
und las dann, was auf dem Stockfisch geschrieben stand. Sie las es
dreimal, und dann wusste sie es auswendig und steckte den Fisch in den
Suppenkessel, denn er konnte ja gegessen werden, und sie verschwendete
nie etwas.
Nun erzählte das Rentier zuerst seine Geschichte, dann die der
kleinen Gerda, und die Finnin blinzelte mit den klugen Augen, sagte
aber gar nichts.
“Du bist sehr klug”, sagte das Rentier; “ich weiss, du kannst
alle Winde der Welt in einen Zwirnsfaden zusammenbinden. Wenn der
Schiffer den einen Knoten löst, so bekommt er guten Wind, löst er
den andern, dann weht es scharf, und löst er den dritten und vierten,
dann stürmt es, dass die Wälder umfallen. Willst du nicht dem
kleinen Mädchen einen Trank geben, dass sie Zwölf-Männer-Kraft
erhält und die Schneekönigin überwindet?”
“Zwölf-Männer-Kraft?” sagte die Finnin. “Ja, das würde viel
helfen!” Und dann ging sie zu einem Bett, nahm ein grosses
zusammengerolltes Fell hervor und rollte es auf. Da waren wunderbare
Buchstaben darauf geschrieben, und die Finnin las, dass ihr das Wasser
von der Stirn herunterlief.
Aber das Rentier bat wieder so sehr für die kleine Gerda, und Gerda
blickte die Finnin mit so bittenden Augen voller Tränen an, dass
diese wieder mit den ihrigen zu blinzeln anfing und das Rentier in
einen Winkel zog, wo sie ihm zuflüsterte, während es wieder frisches
Eis auf den Kopf bekam:
“Der kleine Kay ist freilich bei der Schneekönigin und findet dort
alles nach seinem Geschmack und Gefallen und glaubt, es sei der beste
Ort in der Welt. Aber das kommt daher, dass er einen Glassplitter in
das Herz und ein kleines Glaskörnchen in das Auge bekommen hat; die
müssen zuerst heraus, sonst wird er nie wieder ein Mensch, und die
Schneekönigin wird die Gewalt über ihn behalten!”
“Aber kannst du nicht der kleinen Gerda etwas eingeben, so dass sie
Gewalt über das Ganze erhält?” “Ich kann ihr keine grössere
Gewalt geben als sie schon hat; siehst du nicht, wie gross die ist?
Siehst du nicht, wie Menschen und Tiere ihr dienen müssen, wie sie
mit blossen Füssen so gut in der Welt fortgekommen ist? Sie kann
nicht von uns ihre Macht erhalten; sie sitzt in ihrem Herzen und
besteht darin, dass sie ein liebes unschuldiges Kind ist. Kann sie
nicht selbst zur Schneekönigin hineingelangen und das Glas aus dem
kleinen Kay entfernen, dann können wir nicht helfen! Zwei Meilen von
hier beginnt der Schneekönigin Garten, dahin kannst du das kleine
Mädchen tragen. Setze sie beim grossen Busch ab, welcher mit roten
Beeren im Schnee steht. Halte keinen Gevatterklatsch, sondern spute
dich, hierher zurückzukommen!” Und dann hob die Finnin die kleine
Gerda auf das Rentier, das lief, was es konnte.
“Oh, ich habe meine Stiefel nicht! Ich habe meine Fausthandschuhe
nicht!” rief die kleine Gerda. Das merkte sie in der schneidenden
Kälte; aber das Rentier wagte nicht, anzuhalten. Es lief, bis es zu
dem Busch mit den roten Beeren gelangt. Da setzte es Gerda ab und
küsste sie auf den Mund, und es liefen grosse, heisse Tränen über
die Backen des Tieres; und dann sprang es, was es nur konnte, wieder
zurück. Da stand die arme Gerda ohne Schuhe, ohne Handschuhe mitten
in den fürchterlichen, eiskalten Finnmarken.
Sie lief vorwärts, so schnell sie nur konnte. Da kam ein ganzes
Regiment Schneeflocken; aber die fielen nicht vom Himmel herunter,
denn der war ganz hell und glänzte von Nordlichtern. Die
Schneeflocken liefen gerade auf der Erde dahin, und je näher sie
kamen, desto grösser wurden sie. Gerda erinnerte sich noch, wie gross
und künstlich die Schneeflocken damals ausgesehen hatten, als sie
dieselben durch ein Brennglas betrachtete. Aber hier waren sie
freilich noch weit grösser und fürchterlicher; sie lebten. Sie waren
der Schneekönigin Vorposten; sie hatten die sonderbarsten Gestalten.
Einige sahen aus wie hässliche grosse Stachelschweine; andere wie
Knoten, gebildet von Schlangen, welche die Köpfe hervorstrecken; noch
andere wie kleine dicke Bären, auf denen die Haare sich sträuben.
Alle waren glänzend weiss, alle waren lebendige Schneeflocken.


Da betete die kleine Gerda ihr Vaterunser. Und die Kälte war so
gross, dass sie ihren eigenen Atem sehen konnte; der ging ihr wie
Rauch aus dem Munde. Der Atem wurde dichter und dichter und gestaltete
sich zu kleinen Engeln, die mehr und mehr wuchsen, wenn sie die Erde
berührten; und alle hatten Helme auf dem Kopf und Spiesse und Schilde
in den Händen. Ihre Anzahl wurde grösser und grösser, und als Gerda
ihr Vaterunser beendet hatte, war eine ganze Legion um sie. Sie
stachen mit ihren Spiessen gegen die greulichen Schneeflocken, so dass
diese in hundert Stücke zersprangen. Und die kleine Gerda ging ganz
sicher und frischen Mutes vorwärts. Die Engel streichelten ihr Hände
und Füsse, da empfand sie weniger, wie kalt es war und eilte zu der
Schneekönigin Schloss.
Aber nun müssen wir doch erst sehen, was Kay macht. Er dachte
freilich nicht an die kleine Gerda, und am wenigsten, dass sie
draussen vor dem Schlosse stehe.
Siebente Geschichte
Von dem Schloss der Schneekönigin und war sich später darin zutrug
Die Wände des Schlosses waren gebildet von dem treibenden Schnee und
Fenster und Türen von den schneidenden Winden. Es waren über hundert
Säle darin, alle wie sie der Schnee zusammenwehte. Der grösste
erstreckte sich mehrere Meilen lang. Das starke Nordlicht beleuchtete
sie alle, und sie waren so gross, so leer, so eisig kalt und so
glänzend! nie gab es hier Lustbarkeiten, nicht einmal einen kleinen
Bärenball, wozu der Sturm hätte aufspielen und wobei die Eisbären
hätten auf den Hinterfüssen gehen und ihre feinen Manieren zeigen
können; nie eine kleine Spielgesellschaft mit Maulklapp und
Tatzenschlag; nie ein klein bisschen Kaffeeklatsch von den Weissfuchs-
Fräuleins; leer, gross und kalt war es in der Schneekönigin Sälen.
Die Nordlichter flammten so genau, dass man sie zählen konnte, wann
sie am höchsten und wann sie am niedrigsten standen. Mitten in diesem
leeren unendlichen Schneesaal war ein zugefrorener See, der war in
tausend Stücke zersprungen; aber jedes Stück war dem andern so
gleich, dass es ein vollkommenes Kunstwerk war. Und mitten auf dem See
sass die Schneekönigin, wenn sie zu Hause war, und dann sagte sie,
dass sie im Spiegel des Verstandes sässe und dass dieser der einzige
und der beste in der Welt sei.
Der kleine Kay war ganz blau vor Kälte, ja fast schwarz; aber er
merkte es nicht, denn sie hatte ihm den Frostschauer abgeküsst, und
sein Herz glich einem Eisklumpen. Er schleppte einige scharfe, flache
Eisstücke hin und her, die er auf alle mögliche Weise
aneinanderfügte, denn er wollte damit etwas herausbringen. Es war
gerade, als wenn wir kleine Holztafeln haben und diese in Figuren
aneinanderlegen, was man das chinesische Spiel nennt. Kay ging auch
und legte Figuren, und zwar die allerkunstvollsten. Das war das
Eisspiel des Verstandes. In seinen Augen waren die Figuren ganz
ausgezeichnet und von der höchsten Wichtigkeit: das machte das
Glaskörnchen, welches ihm im Auge sass! Er legte vollständige
Figuren, die ein geschriebenes Wort waren; aber nie konnte er es dahin
bringen, das Wort zu legen, das er unbedingt haben wollte, das Wort
Ewigkeit. Und die Schneekönigin hatte gesagt: “Kannst du diese
Figur ausfinden machen, dann sollst du dein eigener Herr sein, und ich
schenke dir die ganze Welt und ein Paar neue Schlittschuhe.” Aber er
konnte es nicht.
“Nun sause ich fort zu den warmen Ländern!” sagte die
Schneekönigin. “Ich will hinfahren und in die schwarzen Töpfe
hineinsehen!” Das waren die feuerspeienden Berge Ätna und Vesuv,
wie man sie nennt. “Ich werde sie ein wenig weiss machen! Das
gehört dazu; das tut den Zitronen und Weintrauben gut!” Und die
Schneekönigin flog davon, und Kay sass ganz allein in dem viele
Meilen grossen, leeren Eissaal, betrachtete die Eisstücke und dachte
und dachte, so dass es in ihm knackte. Ganz steif und still sass er,
man hätte glauben können, er sei erfroren.
Da geschah es, dass die kleine Gerda durch das grosse Tor in das
Schloss trat. Hier herrschten schneidende Winde; aber sie betete ein
Abendgebet, und da legten sich die Winde, als ob sie schlafen wollten.
Und sie trat in die grossen, leeren, kalten Säle ein – da erblickte
sie Kay. Sie erkannte ihn, sie flog ihm um den Hals, hielt ihn so fest
und rief: “Kay! Lieber, kleiner Kay! Da habe ich dich endlich
gefunden!”
Aber er sass ganz still, steif und kalt; da weinte die kleine Gerda
heisse Tränen, die fielen auf seine Brust, sie drangen in sein Herz,
sie tauten den Eisklumpen auf und verzehrten das kleine Spiegelstück
darin. Er betrachtete sie, und sie sang:
Rosen, die blüh'n und verwehen;
Wir werden das Christkindlein sehen!
Da brach Kay in Tränen aus. Er weinte so, dass das
Spiegelsplitterchen aus dem Auge schwamm, und nun erkannte er sie und
jubelte: “Gerda! Liebe, kleine Gerda! Wo bist du so lange gewesen?
Und wo bin ich gewesen?” Und er blickte rings um sich her. “Wie
kalt es hier ist! Wie es hier weit und leer ist!”
Und er klammerte sich an Gerda an, und sie lachte und weinte vor
Freude. Das war so herrlich, dass selbst die Eisstücke vor Freude
ringsherum tanzten, und als sie müde waren und sich niederlegten,
lagen sie gerade in den Buchstaben, von denen die Schneekönigin
gesagt hatte, dass er sie ausfindig machen sollte, dann wäre er sein
eigener Herr und sie wolle ihm die ganze Welt und ein Paar neue
Schlittschuhe geben.
Und Gerda küsste seine Wangen, und sie wurden blühend; sie küsste
seine Augen, und sie leuchteten gleich den ihrigen; sie küsste seine
Hände und Füsse, und er war gesund und munter. Die Schneekönigin
mochte nun nach Hause kommen; sein Freibrief stand da mit glänzenden
Eisstücken geschrieben.
Und sie fassten einander bei den Händen und wanderten aus dem grossen
Schloss hinaus. Sie sprachen von der Grossmutter und von den Rosen
oben auf dem Dach; und wo sie gingen, ruhten die Winde und die Sonne
brach hervor. Und als sie den Busch mit den roten Beeren erreichten,
stand das Rentier da und wartete. Es hatte ein anderes junges Rentier
mit sich, dessen Euter voll war; und dieses gab den Kleinen seine
warme Milch und küsste sie auf den Mund. Dann trugen sie Kay und
Gerda erst zur Finnin, wo sie sich in der heissen Stube aufwärmten
und über die Heimreise Bescheid erhielten; dann zur Lappin, welche
ihnen neue Kleider genäht und ihren Schlitten instand gesetzt hatte.
Das Rentier und das Junge sprangen zur Seite und folgten, gerade bis
zur Grenze des Landes; dort sprosste das erste Grün hervor. Da nahmen
sie Abschied vom Rentier und von der Lappin. “Lebt wohl!” sagten
alle. Und die ersten kleinen Vögel begannen zu zwitschern, der Wald
hatte grüne Knospen, und aus ihm kam auf einem prächtigen Pferde,
welches Gerda kannte – es war vor der goldenen Kutsche angespannt
gewesen – , ein jungen Mädchen geritten, mit einer leuchtend roten
Mütze auf dem Kopf und Pistolen im Halfter. Das war das kleine
Räubermädchen, welches es satt hatte, zu Hause zu sein, und nun erst
gegen Norden und später, wenn ihr das nicht zusagte, nach einer
andern Weltgegend hinwollte. Sie erkannte Gerda gleich, und Gerda
erkannte Sie; das war eine Freude!
“Du bist ein schöner Patron mit deinem Umherschweifen!” sagte es
zum kleinen Kay. “Ich möchte wissen, ob du verdienst, dass man
deinethalben bis an der Welt Ende läuft!” Aber Gerde klopfte ihr
die Wangen und fragte nach dem Prinzen und der Prinzessin. “Die sind
nach fremden Ländern gereist!” sagte das Räubermädchen.
“Aber die Krähe?” sagte Gerda. “Ja, die Krähe ist tot!”
erwiderte sie. “Die zahme Geliebte ist Witwe geworden und geht mit
einem Endchen schwarzen wollenen Garns um das Bein; sie klagt ganz
jämmerlich, und Geschwätz ist das Ganze! – Aber erzähle mir nun,
wie es dir ergangen ist und wie du ihn erwischt hast.” Und Gerda und
Kay erzählten.
“Snipp-Snapp-Snurre-Purre-Basselurre;” sagte das Räubermädchen,
nahm beide bei den Händen und versprach, dass, wenn es je durch ihre
Stadt kommen sollte, es hinaufkommen werde, sie zu besuchen. Und dann
ritt es in die weite Welt hinein. Aber Kay und Gerda gingen Hand in
Hand, und wo sie gingen, war es herrlicher Frühling mit Blumen und
mit Grün. Die Kirchenglocken läuteten, und sie erkannten die hohen
Türme, die grosse Stadt; es war die, in der sie wohnten. Und sie
gingen in dieselbe hinein und hin zur Türe der Grossmutter, die
Treppe hinaus, in die Stube hinein, wo alles wie früher auf derselben
Stelle stand. Und die Uhr ging: “Tick! Tack!” und die Zeiger
drehten sich. Aber indem sie durch die Tür gingen, bemerkten sie,
dass sie erwachsene Menschen geworden waren. Die Rosen aus der
Dachrinne blühten zum offenen Fenster hinein, und da standen die
kleinen Kinderstühle, und Kay und Gerda setzten sich ein jeder auf
den seinigen und hielten einander bei den Händen; die kalte, leere
Herrlichkeit bei der Schneekönigin hatten sie gleich einem schweren
Traum vergessen. Die Grossmutter sass in Gottes hellem Sonnenschein
und las laut aus der Bibel: “Werdet ihr nicht wie die Kinder, so
werdet ihr das Reich Gottes nicht erben!”
Und Kay und Gerda sahen einander in die Augen, und sie verstanden auf
einmal den alten Gesang:
Rosen, die blüh'n und verwehen;
Wir werden das Christkindlein sehen!
Da sassen sie beide, erwachsen und doch Kinder, Kinder im Herzen; und
es war Sommer, warmer, wohltuender Sommer.