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Blattmedaillons, Liebesmarken, Rosenbilder, Poesiebilder, Stammbuchblümchen,
Vielliebchen, Lackbilder, Glanzbilder, Glans-Billeder, scraps, Victorian die-cut,
Relief-Bilder, Bokmärken, images et chromos, Poezieplaatjes, Decoupage, Swaps,
Styken, Blanktavlor, Nouveautes, Kiiltokuvia
....
Namen gibt es viele für diese Zeugen längst vergangener Zeiten.
Im Ausland heissen sie Scraps (UK), Glans-Billeder (DK), Bokmärken (S) oder Images et chromos (F).
Ihre Blütezeit hatten Sie um 1900, aber auch später gab es noch schöne Exemplare.

Kleine Geschichte der Oblaten:
Beginn der Oblatenherstellung ca. 1865 - 1870 mit der Patentierung von litographischen Dampfpressen.
Gleichzeitig begann die Ära der Sammel- und Reklamebilder, Speisekarten, Etiketten etc.
Die meisten alten Oblaten entstanden nach dem Chromolithographischen Druckverfahren.
Die besten Ausführungen wurden mit bis zu 26 (!) einzelnen Farben gedruckt; ein Effekt der von modernen 4-Farb-Offsetdrucken nicht mehr erreicht werden kann.
Wenige Hersteller, so Ernst Freihoff (EF) in Deutschland und Mamelok Press (MPL) in Grossbritannien
haben bis zum heutigen Tage überdauert. Meistens werden alte Motive neu aufgelegt, aber dem
Zeitgeist entsprechend,
verirrt sich auch schon mal ein "Schlumpf-Motiv" in die Regale der Geschäfte.

Alle Bilder kannst Du durch anklicken auch grösser sehen.

Nostalgische Klebebilder
Als Schokoladenbildchen, als Zusatz von Zigarettenpackungen oder Bouillonbüchsen,
fein säuberlich in Hunderten von "Prachtalben" als künstlerisch gestaltete Serien
konzentriert haben sie noch die Jugend unserer Grosseltern mitgeprägt.

Der Sammeleifer kannte keine thematischen Grenzen: Mensch und Tier,
Geschichte und Kultur, fremde Völker und die "wilde" Natur - alles
wurde für diese auch pädagogisch animierten Darstellungen mobilisiert.
Dutzende von Alben stehen hier zur Verfügung - für die Präsentation in Vitrinen und unter Glas.
Die eigentlichen Oblaten, die damals - und zum Teil auch heute noch - für Poesiealben
oder als Lebkuchen-Dekoration verwendet wurden, ergänzen die Reklamebildchen in schönster Weise.



Wo treffen harfeschlagende Engel, Körbe voller Möpse und kleine Mädchen mit Pudding-Frisuren aufeinander?
Genau in:
Ernst Freihoffs Fabrik
Hier ein Artikel aus DIE ZEIT Nr. 13 vom 25. März 1994 von Elsemarie Maletzke
Der Herr der Glanzbilder
Wer Ernst Freihoff zum erstenmal begegnet, glaubt nicht, dass sein dezidierter Lebenszweck ist
"den Menschen eine Freude zu bereiten": eine mächtige, etwas grimmige Gestalt mit grossem Kinn
und grossen Altmännerohren, ein Chef im weissen Kittel. Nur wenn er lächelt, gewinnt er Ähnlichkeit
mit einem anderen Menschenfreund - dem Kasper, dem das Lächeln übers ganze Gesicht reicht.
Im laufendem Stück wird Kasper von Krokodilen umkreist, die ‚' in 45 Jahren zehnmal versucht haben,
mich kaputtzumachen''. Denn an Ernst Freihoff, dem gelernten Drucker und Spezialisten
in feinen Papeterien, hängen eine ganze Branche und ein fettes Stück Marktanteil.
Er ist ( und teilt sich diesen Ruf nur mit der englischen Mamelok Press in Bury St. Edmunds)
weltweit einzig verbleibender Hersteller von Glanzbildern, Stammbuchblümchen, Vielliebchen,
Oblaten- wie man die geprägten Bilderbögen zu nennen beliebt, auf denen Schwalben,
mit Herzenspost im Schnabel und vergissmeinnichtumkränzte Hufeisen von Bündnissen sprechen,
die meist weniger solide waren als Ihre Pfänder. "In allen vier Ecken soll Liebe stecken''- von wegen.
Aber irgendwo zu Hause fliegt die Pralinenschachtel mit den Bildchen immer noch rum.



Herr Freihoff kennt‚ "das gewisse Strahlen in den Augen" älterer Damen, wenn sie anfangen,
in seinen Bildern zu blättern, und es macht ihn glücklich.
"Jugendtraum'' nennt er eine Serie von 75 verschiedenen Bögen, um deren Erfolg er sich keine
Sorgen machen muss. Durch weisse Papierstege und wahlweise mit Glitzer bestreut
bringt sie harfeschlagende Engel, Schäferinnen, Körbe voller Möpse, Kaninchenherzerinnen,
apfelwangige Liftboys und kleine Mädchen mit Kirschenschnuten und Frisuren wie aus Vanillepudding
gegossen in einen gewissen Zusammenhang. Früher haben Kinder solche Bildchen gesammelt und getauscht.



Im 19. Jahrhundert waren in England "scrap books'' mit Sinnsprüchen und Widmungen grosse Mode. Heute entzücken sich erwachsene Frauen an Engelchen und Rosen. Warum das so ist, weiss Ernst Freihoff auch nicht. ‚'Das Mysterium Frau ist unergründlich''. Er bedient es mit acht neuen nostalgischen Bögen pro Jahr.
Auf seine Jugendtraumgeschöpfe ist auch die Konkurrenz scharf.
Bisher ist es Herrn Freihoff gelungen, den Krokodilen mit der Pritsche aufs Haupt zu schlagen,
aber nun ist er achzig, und die alte Schulter muss gerichtet werden. ‚'Kommen Sie morgen, ich gehe nächste Woche ins Krankenhaus, und wer weiss, was dann...''
Coesfeld im Münsterland ist kein Ort, den man aus freien Stücken oder
seiner Attraktionen wegen (Walkenbrückerturm, Lambertikirche) aufsuchen würde.
Im Industriegebiet, in der Nachbarschaft von Möbel- und Mülleimerproduzenten,
wohnt und arbeitet Herr Freihoff. Kein Schild weist auf die Poesie und Einmaligkeit seines Gewerbes.
Nur ausgewachsene Bäume ums Haus statt Tuja- Grundstücksbegrenzungen deuten auf einen eher traditionsbewussten Charakter.
In einer Garage, verstaubt zwischen Kisten, eine alte Quick, auf der Freihoff 1948 durchs Ruhrgebiet knatterte,
um Butterbrotpapier zu beliefern. Bis ihn einer auf Glanzbilder brachte.



"Wat is dat? Ich als Junge....'' Und verkaufte sie bald in rauhen Mengen. Inzwischen sind es Millionen.
Mit einer bescheidenen Geste öffnet er eine feuerfeste Tür, sein Glanzbildlager: sehr bunt, sehr ordentlich.
Auf langen Tischen ist in niedrigen Kästen viele hundert Male dasselbe Motiv draufsortiert:
Dame mit Margeritenhut in rosenumranktem Rahmen mit zwei Kerzen.
In den Regalen sind die Bögen zu Klippen geschichtet; durch die gestanzten,
leicht verschobenen Kanten wirken sie wie Pakete aus bunten Sand:
Grimms Märchen und Mother Goose, die Sixtinische Madonna und der Weihnachtsmann.
Drei Hilfskräfte sortieren hier und tüten ein, je hundert Bögen pro Päckchen,
alle verschieden:'' 50 Blumen, 50 allgemein''.
Glitzerstaub liegt auf den abgetretenen Teppichen und adelt noch die Wollmaus in der Ecke.
Früher war Herr Freihoff, auch in Filmpostkarten und Papierpuppen aktiv, die Relikte
sind irgendwo zwischen Büro und Lager unter die Tische getreten. Seit Jahrzehnten regiert nur noch das Glanzbild.



Auf 182 Bögen besitzt ‚'ef''- so sind sie neben der laufenden Nummer gekennzeichnet- das Copyright;
Bögen, die er nach Themen selbst arrangiert hat, wobei ihm die Zeit auf der Quick und über vierzig
Jahre Marktforschung behilflich sind. Er weiss: ‚'In Nordrhein- Westfalen gehen keine Blumen;
in Süddeutschland keine Kinder. Und: Nicht jede Blume geht überall; Obst und Gemüse gar nicht.''
Noch etwas hat er der ungeduldigen Konkurrenz immer voraus gehabt: Die Einsicht in das Maikäferprinzip.
Glanzbilder treten wie herbeizitierte Plagen alle vier Jahre auf.
Im ersten Jahr ist die Nachfrage enorm, zwei Jahre nur so lala,
dann ist Ruhe. Erst im vierten Jahr, wenn die Maikäfer wieder schlüpfen,
will die Welt auch "efs" Glanzbilder sehen.


1991 waren es 4,5 Millionen Bögen. Seitdem ist die Nachfrage auf ein Viertel zurückgegangen.
Bei den hohen Entwicklungskosten für einen neuen Bogen und den Pfennigen Gewinn, die er bringt,
lohnen sich jedoch nur hohe Auflagen. Aus diesem Grund hält sich Freihoff von Übergangserscheinungen
wie der Dinosaurierwelle fern- froh, sich 130 000 Schlümpfen entäussert zu haben.
Für Teddys rechnet er sich Chancen aus, Schweine, Katzen –immer.



Neues Design,
etwas die grossäugigen Elendsgestalten mit Schlaghosen an Laternenmasten, wie
sie noch in jüngster Vergangenheit aus den Kunstabteilungen der Kaufhäuser starrten ,
erwiesen sich als Flop. Minder erfolgreich waren auch der etwa vierzig Jahre alte Bogen
mit Schwalbe, Gitarre, Waldhorn und Tennisschläger. ‚' Der Bogen muss ein Thema haben.''



In Antiquariaten und auf Sammlermärkten stöbert Ernst Freihoff nach Auslaufmodellen einer anderen Zeit. Es soll alte Damen gegeben haben, die ihm für 200 Mark ihr Album verkauft haben, voll mit bildschönen Chromolithographien des 19. Jahrhunderts, die Freihoff neu zusammenstellt und nachdruckt. Er ist aber auch bereit, einen Tausender für ein Original im A3- Format auszugeben, die Nummer 7060 der Jugendtraum-Serie und sein Lieblingsbild: pausbäckiges, rotblondes Mädchen mit frühreifem Mund im weissen Spitzenkleid mit rosa Schleifen, die mollige kleine Pfote auf die Brust gedrückt, die Augen kokett zum Betrachter erhoben: Wofür hältst du mich? Vielleicht für das Mysterium Frau im Glanzbild?
Herr Freihoff wohnt allein in seinem weitläufigen Bungalow.
Mittags um zwei hat er den Frühstückstisch vor den Fenstern zum Garten gedeckt,
Tee und Kaffee gekocht, für jeden ein Ei. Draussen spaziert ein Kater vorbei,
hinter ihm stöbert ein Igel durchs Herbstlaub. ‚'Da ist mein Schlafzimmerfenster'',
unter der Weinpergola, und es mache ihm besondere Freude, jedes Jahr im Frühling ein
Elsternpärchen beim Brüten zu beobachten. "Ich schöpfe Kraft aus diesem Umfeld.''
Es gibt Tage, da kann ihn der Glanz im Auge des Betrachters auch nicht mehr glücklich machen,
da spürt er nur seine schmerzende Schulter. Noch einmal das ganz grosse Geschäft wagen,
expandieren, Amerika mit Glitzerbildern überziehen- oder im Krankenhaus bleiben, aufgeben.
Einen Nachfolger hat Ernst Freihoff nicht.



Auch in England bei der Firma Mamelock
werden noch solche Reliefbilderbogen gedruckt.
Seit ca. 200 Jahren gibt es diese Bilderbogen,
die zuerst nur Schwarzweiss waren
und nachträglich coloriert wurden.
Bäcker benutzten diese ausgestanzten Bilder
als Dekorationen für Kuchen, Keksen und Torten
- zu Taufen, Weihnachten, Hochzeiten, Ostern -.
Man begann diese aussergewöhnlichen Bilder
als Andenken zu sammeln.



Ab 1880 wurde die Farblithographie für die Herstellung der Glanzbilder verwendet.
Die leuchtenden bunten Bilder wurden gestanzt. Mit kleinen Papierstreifen verbunden.
Diese Bogen wurden dann geprägt (embossing).



Nun klebte man diese Bilder in Tagebücher, Poesiealben und auf Briefe.
Gestaltet damit Weihnachtskarten Glückwunschpost, verzierte im Verfahren der Decoupage: Bilderrahmen, Dosen,Tabletts
( Decoupage = die Bilder werden aufgeklebt und mehrfach lackiert )



Wer sich mit dem Thema Oblaten intensiver beschäftigen mag,
für den habe ich noch folgende Literaturhinweise:
Allen, Alistair, Hoverstadt, Joan
The History of printed Scraps
New Cavendish Books, London 1983
Deutschsprachige Ausgabe:
Glanzbilder und Oblaten
Hugendubel, München 1985
Böhmer, Günter
Sei glücklich und vergiss mein nicht
Stammbuchblätter und Glückwunschkarten
München, 1973
Dröscher, Elke
Oblaten-Album
Harenberg, Dortmund 1982
Faurholt, Estrid
Kära gamla bilder (dear old pictures)Dänemark
published bei LEGOLAND A/S
Faurholt, Estrid
De Kaere sma Billeder fra LEGOLANDS Glansbildersammlung
puvlished bei LEGOLAND A/S
Gottschalk, Elke
Papier-Antiquitäten - Luxuspapiere von 1820 bis 1920
Battenberg, Augsburg 1996
Holm, Inga
Bokmärken (Scraps)
Schweden, ca. 1966
Pieske, Christa
Das ABC des Luxuspapieres - Herstellung, Verarbeitung und Gebrauch 1860 -1930
Dietrich Reimer Verlag, Berlin, 1983
Pieske, Christa und Kuschert, Rolf
Papier im Reiche des Luxus und der Phantasie
Husumer Druck- u. Verlagsgesellschaft 1987
Ralf, Elisabeth
Änglar och Rosor
Stockholm, 1973
2. Auflage 1979
Deutschsprachige Ausgabe:
Engel und Rosen
Stockholm, 1973
Ralf, Elisabeth
Lyckliga stunder med bokmärken (Happy moments with scraps)
Schweden
Die ganze Welt ist aus Papier (Ausstellungskatalog)
Graphiken und Objekte zu allen Gelegenheiten 1800 - 1930
Göttingen, 2001
Anmerkung: einige der hier genannten Bücher sind im Handel nicht mehr erhältlich!



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