Ursel kam mit ihrem Abschlusszeugnis nach Hause, sie hatte eine Gesangsauszeichnung erhalten. Vronli war inzwischen als Säuglingsschwester in München und Hans war Oberprimaner, wenn auch sein Zeugnis zu wünschen übrig liess.
Trotz aller Kämpfe, da Ursel unbedingt zur Oper gehen wollte, musste sie eine Banklehre beginnen. In der Bank war sie vielen Schwierigkeiten ausgesetzt, die sie der Oma anvertraute. Ja, Frau Braun war seit dem Tode ihres Mannes alt geworden. Sie freute sich aber, mit ihrer Enkelin über deren Gesangsstunden, besonders, da sie Künstler als Logiergäste bei sich aufgenommen hatte, die Geschwister Milton und Margarida Tavares aus Brasilien.
Bei Frau Annemarie fanden sich mal wieder alle ein, Hans Braun mit seinen beiden Söhnen, dessen Frau Ola früh gestorben war, Margot Thielen, Vera Töpfer, die seit acht Jahren in Hannover verheiratet war und Ursels Freundinnen Ruth und Edith.
Ursel nahm jetzt Gesangsstunden und auch die Tavaresschen Geschwister hatte sie inzwischen kennengelernt.
Und wieder einmal ging es an die Waterkant. Diesmal kamen Onkel Heinrich und Tante Kätchen, Annemarie, Hansi, Vera, Margot, Herbert und Waldemar zu Ilse und Klaus und Marlene und Peter aufs Gut.
Über Monate hinweg arbeitete Ursel jetzt schon in der Bank und genauso lange traf sie sich schon mit Milton und Margarida zu gemeinsamen Musikstunden.
Eines Tages war es dann doch passiert, Ursel hatte in der Bank alles hingeworfen, und Margot und Hans, dessen Haushalt sie schon seit längerem führte, hatten sich verlobt. Durch einen glücklichen Zufall gestanden es die Eltern Ursel doch zu, die Hochschule für Musik zu besuchen.
Bei einem Besuch bei Vronli lernten Annemarie und Rudi ihren Schwiegersohn den Oberlehrer Dr. Ebert kennen. Und zwei Hochzeiten konnten nun gefeiert werden, Hans und Margot und Vronli und Georg, letztere wohnten jetzt im Wedding.
Ursel studierte inzwischen und es wurde ihr die hohe Auszeichnung zuteil, bei einem Meisterkonzert zu singen, ihr erster grosser Auftritt.
Sie meisterte ihn hervorragend und auch den schweren Schritt, den Eltern mitzuteilen, dass sie Milton Tavares Frau werden würde und mit ihm nach Brasilien ginge.
Den Vater traf dies schwer und es gab heftige Kämpfe zu durchstehen, bis endlich unterm Weihnachtsbaum Verlobung gefeiert werden konnte. Und an einem Vorfrühlingstag wurde Hochzeit gehalten und bereits im Februar musste man sich verabschieden.
Leer war es im Hartensteinschen Haus geworden, denn Hans studierte jetzt in Würzburg. Viele Briefe hat Frau Annemarie von ihrem Nesthäkchen inzwischen bekommen, in denen Ursel das so andere Leben auf einer brasilianischen Kaffeeplantage beschrieb.
Und in dem gestern abgekommenen Brief erzählt Ursel von ihren beiden Kindern Anita und Marietta, den beiden Zwillingen die beide den Namen ihrer Grossmutter tragen.
Text: Miriam Neufert


