Und jetzt werdet ihr erfahren, was unser Nesthäkchen als Schulmädel erlebte. Erst wollte sie am ersten Schultag gar nicht aufstehen, und dann konnte es ihr nicht schnell genug gehen. In der Schule angekommen erfuhr sie , dass ihre Lehrerin Fräulein Hering hiess, ihre Klasse aus fünfzig Kindern bestand und dass das neue Mädchen aus ihrem Haus, Margot Thielen auch in ihrer Klasse ist. Mit dem Ernst der Schule hatte Annemarie ihre Schwierigkeiten. Ob sie nun stillsitzen sollte, bei der Hausaufgabe sich nicht von Puppe Gerda helfen lassen sollte, oder schwierige Rechenaufgaben lösen musste. Auch dass die Lehrerin Fräulein und nicht Tante heisst und dass man den Finger hebt, bevor man etwas sagen darf waren Neuigkeiten für Nesthäkchen.
Mit Margot verband sie bald eine innige Freundschaft, die auch von einem Streit nicht gebrochen werden konnte, da dieser durch einen Besuch von Puck in der Schule schnell wieder beendet wurde.
Das Rechnen und das Lesen bereitete Annemarie keine Schwierigkeiten, jedoch mit der Sauberkeit und Ordnung hatte das liederliche Fräulein seine Schwierigkeiten. Margots Hefte und Bücher waren stets sauber und ordentlich sie war jedoch nicht so begabt wie Nesthäkchen und so wurde diese zum ersten Mal Erste der Klasse.
Aber der Schulalltag wurde auch manchmal unterbrochen, so zum Beispiel durch einen Besuch von Tante Kätchen und Onkel Heinrich, die die Braunschen Sprösslinge in den zoologischen Garten mitnahmen.
Oder eben durch einen Schulausflug auf einen Spreedampfer, bei dem Annemarie so einiges verlor und auch Puppe Gerda mitgeschmuggelt hatte.
In den Sommerferien fuhr Familie Braun ins Riesengebirge wo Annemarie und Klaus nicht nur heimlich Milchjungen spielten sondern Annemarie auch die Bekanntschaft mit der Himbeer-Miezi machte, die ganz allein für sich und ihren Bruder sorgte.
Zurück in der Schule hatte Nesthäkchen nicht nur wieder mit der Sauberkeit und Ordnung zu kämpfen, sondern sie sollte auch noch stricken lernen. Nur die gute Grossmama brachte es fertig, Annemarie diese schwere Kunst zu lernen.
Zur Oktoberzensur musste Annemarie eine Enttäuschung wegstecken. Erste der Klasse wurde Margot Thielen und sie selbst wurde nur Vierte , da es ihr an Ruhe, Ordnung und Sauberkeit fehlte. Auch Mutti und Vati waren nicht begeistert, jedoch versprach Nesthäkchen ihrer Puppe Gerda, sich zu bessern. Zuerst gelang ihr dies auch und sie kümmerte sich auch wieder um ihre Puppenkinder. Doch bald kehrte der alte Liederjahn wieder zurück bis zu dem Tag, an dem Mätzchen plötzlich tot in seinem Bauer lag. Annemarie war untröstlich, denn sie hatte vergessen ihn zu füttern. Von diesem Tag besserte sich Nesthäkchens Verhalten dauerhaft.
In der Weihnachtszensur kam sie auf den zweiten Platz und zur Belohnung durfte sie eine Kindergesellschaft halten, zu der sie auch Hilde Raabe, die schlechteste der Klasse, eingeladen hatte. Hildes Benehmen führte jedoch dazu, dass sie bei Brauns nicht wieder eingeladen wurde.
Und am Ende des Schuljahres bekam Annemarie nicht nur ein feines Osterzeugnis, sondern auch einen Prämie für ihren Fleiss.
Text: Miriam Neufert


