Zusammen mit Gerda besuchte Marietta die soziale Frauenschule, denn schon lange wollte sie sich einem sozialen Beruf zuwenden.
Ja, bei dem letzten Besuch der Eltern in Deutschland hatte sie es durchgesetzt, hier ihre sozialen Studien beenden zu dürfen.
Auch Lottchen lebte noch im Haushalt, denn die Verwandten waren nicht gefunden worden.
Neben der Schule arbeitete Jetta noch in einem Kinderhort und dort war sie der erklärte Liebling der Kinder, sie dachte jedoch daran, sich der Sozialfürsorge zuzuwenden.
Ein Brief aus Brasilien erschütterte Marietta. Anita hatte sich mit dem Sohn eines benachbarten Plantagenbesitzers verlobt, ohne auch nur noch einmal an Horst zu denken, der offensichtlich ernsthaft in Anita verliebt gewesen war.
Weihnachten kam, und Marietta bereitete ihren armen Hortkindern eine schöne Bescherung.
Lottchen war auch dabei und gemeinsam besuchten sie noch ein krankes Kind und kamen sehr spät zur eigenen Weihnachtsbescherung.
Im Februar wechselte Marietta von der Hortarbeit zur Jugendfürsorgerin. Diese Arbeit war deutlich schwerer und belastete sie sehr.
Nebenbei erfuhr sie, dass einer ihrer Hortschützlinge, das Lenchen krank war und bei einem Besuch erfuhr sie zufällig, dass Lenchens Mutter Lottas Tante war, die man vergeblich gesucht hatte. Jetta geriet in einen schweren Gewissenskonflikt denn sie wusste nicht, ob sie Lottchen aus ihrer gewohnten Umgebung herausnehmen sollte.
Schliesslich wurde es so schlimm, dass sie unter der Belastung erkrankte und endlich vertraute sie sich der Grossmama an. Lotta erfuhr nun von ihren Verwandten, durfte aber bei Kunzes wohnen bleiben.
Am Ostersonntag war Anitas Hochzeit, doch Marietta wohnte dieser nicht bei, da sie zu stark in ihre sozialen Pflichten eingebunden war.
Diese führten sie auch mit einem Zug Ferienkinder an die Ostsee nach Grotgenheide und Lütgenheide. Dort traf Jetta all die Lieben wieder. Peter Braun, seine Frau und die Kinder Hans , Fritz und Annemie und natürlich Ilse und Klaus. Sie verlebte dort lustige Tage, bis ein Brief der Grossmutter ihr mitteilte, dass der Grossvater seine Sehkraft verloren hatte und dass er sofort operiert werden würde. Sorgenvolle Tage gingen dahin, bis endlich die Nachricht kam, dass der Grossvater wieder sehen könnte.
Sie verbrachte dann auch einige Tage mit den Grosseltern am Gardasee und fuhr dann nach Genua, wo sie auch Horst Braun wieder traf. Dort kamen sich beide auch zaghaft näher.
Vier Jahre später, im Spätsommer ist es, als Frau Annemarie in ihrem Biedermeierzimmer steht. Sie wird heute goldene Hochzeit feiern und auch Marietta steht in ihrem Zimmer und nimmt Abschied, sie wird gemeinsam mit Horst in ein Haus in Lichterfelde ziehen, denn auch sie wird heute Hochzeit feiern.
Alle sind zu diesem Doppelfest erschienen und das erste Urenkelchen, Anitas TochterRosita bringt der Grossmutter den goldenen Myrtenkranz. Auch Klaus, Ilse und Marlene sind gekommen um gemeinsam zu feiern.
Und gemeinsam nehmen wir Abschied von unserem Nesthäkchen, dass wir all die Jahre begleiten durften.
Text: Miriam Neufert


