Magda Trott wurde 1880 oder 1882 (sie hat wohl ihr Alter mitunter verjüngt...)
in Freystatt in Niedersachsen geboren.
Ab ca. 1900 arbeitete sie als Kindergärtnerin in Berlin und begann in dieser Zeit mit dem Schreiben.
Ihre Bücher waren von Anfang an sehr erfolgreich und begründeteten Magda Trotts gesellschaftlichen Aufstieg.
1907 gründete sie mit anderen wohlhabenden
Frauen die Berliner "Frauenbank".
Bis in die späten 20er Jahre zählte sie als eine der
radikalsten damaligen Frauenrechtlerinnen, die feministische Novellen und Artikel für feministische Zeitungen
schrieb. Eine ihrer Mitstreiterinnen war Thea von Harbou, eine erfolgreiche Drehbuchautorin (Die Nibelungen, Metropolis).
Magda Trotts grösster Traum zu dieser Zeit, den sie auch 1914 in einer Novelle "
Von der Gründung des Frauenstaates" verarbeitet - man ahnt, was nun kommt - war die Gründung eines Amazonenstaates in der Lüneburger Heide mit Lüneburg als Haupstadt! Die Lüneburger waren davon wenig begeistert und griffen Magda Trott in der Lokalpresse recht rüde an.
Wenig später entstand
Pommerle, ihre erste Kinderbuchreihe.
Ausser Kinderbüchern schrieb Magda Trott auch reisserische Liebesschmonzetten wie "Mein Herz ruft dich, Heinz!", in denen - wie in den Kinderbüchern - klar wird, dass sie, obwohl sie selbst in Berlin lebte, die grosse Stadt als "Sündenpfuhl" geisselte und das brave Landleben pries. Klar, dass es dann später Rose in Pucki so schön findet, morgens um vier Schweine zu füttern...
1933 wurden ihre Romane als "unerwünschtes Schrifttum",
da zu "unsittlich" verboten.
Ein Jahr später wurden alle jüdischen Schriftsteller
aus der Reichschriftumskammmer ausgeschlossen, was einem Schreibverbot gleichkam.
Ihre Bücher durften nicht mehr verlegt werden, Verlage wie Meidinger Jugendschriften wurden zwangsaufgelöst.
Mit dem Verbot der äusserst beliebten
Jugendbücher Else Urys (Nesthäkchen etc.) war der Mädchenbuchmarkt quasi leergefegt,
und Magda Trott tat, was opportun war:
sie schrieb rasch eine Mädchenbuchreihe:
Pucki. In Stil und Aufbau sollte sie Nesthäkchen gleichen.
Goldköpfchen kam auch noch dazu.
Die Autorin Gabriele Haefs behauptet, Magda Trott habe sogar teils bei Else Ury abgeschrieben, aber ein Vergleich der Werke liefert dafür keine konkreten Anhaltspunkte.
Gegen Ende ihres Lebens zog sich Magda Trott nach Pommern zurück, welches sie wahrscheinlich von Urlaubsreisen kannte. Dort starb sie 1945 in Misdroy.
Inwieweit Magda Trott Nationasozialistin war, kann man nur vermuten. 1934 gab es eine "Pommerle - ein deutsches Mädel" - Ausgabe mit Pommerle im BDM Aufzug mit "Heil Hitler"-Geste auf dem in braun gehaltenem Titelbild.
Bedenklich aus heutiger Sicht ist sicher das Frauenbild in den letzten Pucki-Bänden: nüchtern betrachtet wird hier der Frau jede Individualität verweigert, stattdessen hat sie sich ganz den Ansichten und Ansprüchen des Mannes unterzuordnen und ausschliesslich als Hausfrau und Mutter zu funktionieren. Mann und Frau sind nicht gleichberechtigte Partner, sondern stehen in einer Art Lehrer-und-Schülerin-Verhältnis: er erzieht sie nach seinen Wünschen, darf sie bewerten und gegebenenfalls auch abstrafen.
Wie die einstige Feministin diese Anpassung an die nationalsozialistische Ideologie mit sich selbst vereinbaren konnte, bleibt offen. In den Pommerle Bänden, die ab 1917 erschienen waren, zeichnet Magda Trott noch ein ganz anderes, fortschrittlicheres Mann/Frau-Verhältnis: hier ist der Ehemann sogar bei Gelegenheit ganz selbstverständlich in der Küche tätig.
Anfang der 50er Jahre gab der Titania-Verlag die Pucki Reihe leicht verändert neu heraus: Städte in den ehemaligen Ostgebieten sowie in der DDR wurden teils durch westdeutsche Städtenamen ersetzt, alle Soldaten, die in den Originalbänden immer wieder vorkommen, wurden gestrichen oder durch Seeleute und Handlungsreisende ersetzt. Am deutlichsten geschah dies in "Pucki, unser Mütterchen": drei einquartierte Soldaten wurden nun zu einem Afrikaforscher und dessen farbigen(!) Diener, der im Ton der 50er Jahr noch als "Neger"! bezeichnet wird.
Anders als bei Else Ury ist aber leider nicht bekannt, wer die Bände bearbeitet hat und auf die erfolgte Bearbeitung wird auch nicht in den Büchern hingewiesen.
Bis auf die nun fehlenden bunten Illustrationsseiten der ersten Neuauflage sind die Bände bis heute in gleicher Aufmachung erhältlich.
Die Pucki-Reihe (1935 - 1941):
1. Försters Pucki 1935
2. Puckis erstes Schuljahr 1935
3. Pucki und ihre Freunde 1936
4. Pucki kommt in die höhere Schule 1936
5. Puckis neue Streiche 1937
6. Puckis erster Schritt ins Leben 1937
7. Pucki wird eine glückliche Braut 1937
8. Puckis junge Ehe 1937
9. Puckis Familienglück 1938
10. Pucki und ihre drei Jungen 1938
11. Pucki unser Mütterchen 1939
12. Puckis Lebenssommer 1941

Ein paar Kinderbilder aus der alten viktorianischen Zeit.
Alle Bilder kannst Du
durch anklicken auch grösser sehen.
copyright by Cathy´s
webdesign for Taraland - Diedersdorf 2004