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Else Ury (1877 - 1943)



Am 1. November 1877 wird Else Ury in Berlin geboren. Nach dem Besuch der Königlichen Luisenschule und des Lyzeums schreibt sie 1900 wahrscheinlich ihre ersten Artikel in der Vossischen Zeitung unter Pseudonym.

1905 erscheint ihre erste Buchveröffentlichung im Globus Verlag in Berlin. "Was das Sonntagskind erlauscht", Erzählungen und Märchen für Kinder im Alter von 6 bis 9 Jahren. In der Folgezeit veröffentlicht sie einige Fortsetzungsgeschichten.

1914 veröffentlicht sie Huschelchen, eine Sammlung von Schulmädchengeschichten und schreibt für "Das Kränzchen" Dornröschen als Fortsetzungsgeschichte.

Von 1914-1918 schreibt sie an der Nesthäkchenreihe und veröffentlicht im Kränzchen einen Kriegsroman "Lieb Heimatland"

. Sie beteiligt sich an der Kriegsfürsorge des Nationalen Frauendienstes. In den Folgejahren arbeitet sie an weiteren Nesthäkchen-Bänden bis sie sie 1925 beendet.

Am 6.3. 1935 wird Else Ury aus der Reichsschrifttumskammer ausgeschlossen und erhält damit damit Schreibverbot.

Am 29.9 1942 bekommen Schwester und Schwager eine letzte Nachricht über Else Ury nach Amsterdam. Sie schreibt ihr Testament und hinterlegt es bei Dr. Kurt Landsberger.

Am 6.1. 1943 wird sie in die Grosse Hamburger Strasse - Deportationssammelstelle - gebracht. Dort wird ihr am 11.1. die Verfügung über die Einziehung ihres Vermögens zugunsten des Deutschen Reiches überbracht.

Am 12.1. wird sie unter der Nummer 638 mit der "Welle XL" nach Auschwitz deportiert, wo sich Ihre Spur verliert.

Die Geschichte
»Nesthäkchen«



bietet sowohl einen tiefen Einblick in die wechselvolle Biographie der Berliner Jugendbuchautorin Else Ury (1877-1943), als auch in ihre populären Werke wie in die gleichnamige bekannte Mädchenbuch-Reihe,



die auch verfilmt worden ist:


--Haus Nesthäkchen--
  1. Nesthäkchen und ihre Puppen (1913/1918)
  2. Nesthäkchens erstes Schuljahr (1915/1918)
  3. Nesthäkchen im Kinderheim (1915/1921)
  4. Nesthäkchen und der Weltkrieg (1916/1918)
  5. Nesthäkchens Backfischzeit (1919)
  6. Nesthäkchen fliegt aus dem Nest (1921)
  7. Nesthäkchen und ihre Küken (1923)
  8. Nesthäkchens Jüngste (1924)
  9. Nesthäkchen und ihre Enkel (1924)
  10. Nesthäkchen im weissen Haar (1925)


Einiges zu den Büchern:

  • Nesthäkchen war ursprülich nicht als Reihe geplant. Der erste Band war aber so ein Verkaufshit, dass Else Ury daraus eine Reihe machte. Neben einer weiteren, späteren Reihe
    Professors Zwillinge



    hat Else Ury nur in sich abgeschlossene Bücher verfasst.

  • Else Ury hat die letzten Bände wohl im Akkord heruntergeschrieben, dabei hat sie die Enstehungszeit für die 20er Jahre in der Handlung eingefroren. Die Bände 7 bis 10 spielen, wenn man so will, eigentlich in der Zukunft. Oder eben im typischen sich in einer Zeitschleife befindenden Niemalsland trivialer Kinderliteratur... und täglich grüsst das Murmeltier!

  • Nesthäkchen wird nur in Deutschland gelesen. Es gab des ersten Band auch in Holland, aber dort war er kein Erfolg. Entgegen immer wieder zu findender anderer Angaben ist Nesthäkchen also kein weltweiter Erfolg!

  • Else Ury arbeitete Ende der 30er Jahre an einer englischen Übersetzung, die interessant zu lesen gewesen sein muss

  • Else Urys Englisch ist nicht sonderlich gut, wie englische Abschnitte in ihren Büchern zeigen. Nicht verwunderlich, dass kein englischer Verleger Interesse zeigte.- Es gibt keine 100% Angaben, wann die ersten Bücher wirklich erschienen sind, die Daten oben sind Vermutungen. Erst ab Band 9 und 10 kann man sicher von 1924/1925 ausgehen. 100% sicher ist aber, dass die Reihe 1925 komplett war.

  • Auf der Buchmesse 1924 verteilte der Meidinger Verlag gratis den ersten Band in einer Taschenbuchausgabe ohne bunte Bilder zur weiteren Absatzbelebung. Darin wird Nesthäkchen als der gösste Erfolg seit dem Struwwelpeter benannt.

  • Von allen Nesthäkchen-Bänden zusammen hat Meidinger über 3 Mio (!) Exemplare verkauft - und das bei geringeren Käuferpotenzial als heute, da viele Leute sich die Bücher nicht leisten konnten und in die Leihbücherreien gingen.

  • Die Nesthäkchenbände waren mit 3,50 (später 3,80 Reichsmark) relativ teuer.



    Pucki und Pommerle kosteten nur 1,80!

Magda Trott (1880 - 1945)



Magda Trott wurde 1880 oder 1882 (sie hat wohl ihr Alter mitunter verjüngt...) in Freystatt in Niedersachsen geboren. Ab ca. 1900 arbeitete sie als Kindergärtnerin in Berlin und begann in dieser Zeit mit dem Schreiben.

Ihre Bücher waren von Anfang an sehr erfolgreich und begründeteten Magda Trotts gesellschaftlichen Aufstieg.

1907 gründete sie mit anderen wohlhabenden Frauen die Berliner "Frauenbank".

Bis in die späten 20er Jahre zählte sie als eine der radikalsten damaligen Frauenrechtlerinnen, die feministische Novellen und Artikel für feministische Zeitungen schrieb. Eine ihrer Mitstreiterinnen war Thea von Harbou, eine erfolgreiche Drehbuchautorin (Die Nibelungen, Metropolis).

Magda Trotts grösster Traum zu dieser Zeit, den sie auch 1914 in einer Novelle " Von der Gründung des Frauenstaates" verarbeitet - man ahnt, was nun kommt - war die Gründung eines Amazonenstaates in der Lüneburger Heide mit Lüneburg als Haupstadt! Die Lüneburger waren davon wenig begeistert und griffen Magda Trott in der Lokalpresse recht rüde an.

Wenig später entstand Pommerle, ihre erste Kinderbuchreihe.

Ausser Kinderbüchern schrieb Magda Trott auch reisserische Liebesschmonzetten wie "Mein Herz ruft dich, Heinz!", in denen - wie in den Kinderbüchern - klar wird, dass sie, obwohl sie selbst in Berlin lebte, die grosse Stadt als "Sündenpfuhl" geisselte und das brave Landleben pries. Klar, dass es dann später Rose in Pucki so schön findet, morgens um vier Schweine zu füttern...

1933 wurden ihre Romane als "unerwünschtes Schrifttum", da zu "unsittlich" verboten.

Ein Jahr später wurden alle jüdischen Schriftsteller aus der Reichschriftumskammmer ausgeschlossen, was einem Schreibverbot gleichkam. Ihre Bücher durften nicht mehr verlegt werden, Verlage wie Meidinger Jugendschriften wurden zwangsaufgelöst.

Mit dem Verbot der äusserst beliebten Jugendbücher Else Urys (Nesthäkchen etc.) war der Mädchenbuchmarkt quasi leergefegt, und Magda Trott tat, was opportun war:
sie schrieb rasch eine Mädchenbuchreihe:
Pucki. In Stil und Aufbau sollte sie Nesthäkchen gleichen.

Goldköpfchen kam auch noch dazu.

Die Autorin Gabriele Haefs behauptet, Magda Trott habe sogar teils bei Else Ury abgeschrieben, aber ein Vergleich der Werke liefert dafür keine konkreten Anhaltspunkte.

Gegen Ende ihres Lebens zog sich Magda Trott nach Pommern zurück, welches sie wahrscheinlich von Urlaubsreisen kannte. Dort starb sie 1945 in Misdroy.

Inwieweit Magda Trott Nationasozialistin war, kann man nur vermuten. 1934 gab es eine "Pommerle - ein deutsches Mädel" - Ausgabe mit Pommerle im BDM Aufzug mit "Heil Hitler"-Geste auf dem in braun gehaltenem Titelbild.

Bedenklich aus heutiger Sicht ist sicher das Frauenbild in den letzten Pucki-Bänden: nüchtern betrachtet wird hier der Frau jede Individualität verweigert, stattdessen hat sie sich ganz den Ansichten und Ansprüchen des Mannes unterzuordnen und ausschliesslich als Hausfrau und Mutter zu funktionieren. Mann und Frau sind nicht gleichberechtigte Partner, sondern stehen in einer Art Lehrer-und-Schülerin-Verhältnis: er erzieht sie nach seinen Wünschen, darf sie bewerten und gegebenenfalls auch abstrafen.

Wie die einstige Feministin diese Anpassung an die nationalsozialistische Ideologie mit sich selbst vereinbaren konnte, bleibt offen. In den Pommerle Bänden, die ab 1917 erschienen waren, zeichnet Magda Trott noch ein ganz anderes, fortschrittlicheres Mann/Frau-Verhältnis: hier ist der Ehemann sogar bei Gelegenheit ganz selbstverständlich in der Küche tätig.

Anfang der 50er Jahre gab der Titania-Verlag die Pucki Reihe leicht verändert neu heraus: Städte in den ehemaligen Ostgebieten sowie in der DDR wurden teils durch westdeutsche Städtenamen ersetzt, alle Soldaten, die in den Originalbänden immer wieder vorkommen, wurden gestrichen oder durch Seeleute und Handlungsreisende ersetzt. Am deutlichsten geschah dies in "Pucki, unser Mütterchen": drei einquartierte Soldaten wurden nun zu einem Afrikaforscher und dessen farbigen(!) Diener, der im Ton der 50er Jahr noch als "Neger"! bezeichnet wird.

Anders als bei Else Ury ist aber leider nicht bekannt, wer die Bände bearbeitet hat und auf die erfolgte Bearbeitung wird auch nicht in den Büchern hingewiesen.

Bis auf die nun fehlenden bunten Illustrationsseiten der ersten Neuauflage sind die Bände bis heute in gleicher Aufmachung erhältlich.

Die Pucki-Reihe (1935 - 1941):

1. Försters Pucki 1935
2. Puckis erstes Schuljahr 1935
3. Pucki und ihre Freunde 1936
4. Pucki kommt in die höhere Schule 1936
5. Puckis neue Streiche 1937
6. Puckis erster Schritt ins Leben 1937
7. Pucki wird eine glückliche Braut 1937
8. Puckis junge Ehe 1937
9. Puckis Familienglück 1938
10. Pucki und ihre drei Jungen 1938
11. Pucki unser Mütterchen 1939
12. Puckis Lebenssommer 1941
 




Ein paar Kinderbilder aus der alten viktorianischen Zeit.
Alle Bilder kannst Du durch anklicken auch grösser sehen.





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