|


Der Ursprung des Wortes „Engel“ stammt aus dem Griechischen („angelos“) bzw. dem Hebräischen („mal’ak“) und bedeutet übersetzt Bote. Engel, in der Bibel meist „Männer“ oder „Jünglinge“ genannt und bereits im 2./3. Jahrhundert in neun Engelchöre unterteilt, vermitteln zwischen Gott und den Menschen. Sie können als Heilsbringer, Schutzengel oder Todesboten auftreten. Sie verkünden die Geburt, die Auferstehung und die Himmelfahrt Christi und führen als Seelengeleiter die Menschen nach dem Tod der Verdammnis oder der Seligkeit zu. Sie sind aber auch furchteinflössende Kämpfer, stürzen den Satan als von Gott abgefallenen Engel aus dem Himmel zur Erde und bringen - in der Apokalypse des Johannes - Leid, Krankheit und Tod über die Menschen. Daher tritt der Engel in den späteren Teilen der Bibel, insbesondere im Neuen Testament, beruhigend an den Menschen heran und spricht: „Fürchte Dich nicht!“

In der bildenden Kunst werden die Flügel zum Kennzeichen der Engel, obwohl der Bibel zufolge nur zwei Engeltypen Flügel besitzen, die Seraphim sechs Flügel, die Cherubim vier. Als die früheste Engeldarstellung der christlichen Kunst gilt eine in das 3. Jahrhundert datierte und als Verkündigungsszene gedeutete Wandmalerei in einer römischen Katakombe. Zunächst werden die englischen Wesen ohne Flügel als Männer in antiker Tracht gezeigt, da die Verbindung eines geflügelten, christlichen Geistwesens mit heidnischen Göttern sowie der Rückfall in die paganen Kulte befürchtet wurden. Zu diesen antiken Flügelwesen, die oft gleichfalls Götterboten waren, gehört u.a. der Gott Hermes, der als Bote der olympischen Götter mit Flügelschuhen und Flügelhut durch die Lüfte fliegt. Eros - Liebesbote seiner Mutter Aphrodite - tritt gleichfalls geflügelt auf. Mit Flügeln sind ferner der antike Todesgenius, die griechische Siegesgöttin Nike (bzw. römisch: Viktoria), die römische Schicksalsgöttin Fortuna sowie mesopotamische Dämonen ausgestattet.

Erst im frühen 5. Jahrhundert gibt es die ersten Darstellungen geflügelter Engel in hoheitsvoller, machtgebietender Gestalt. Zu den berühmtesten frühen Flügelfiguren zählen Engel auf den Mosaiken in den Kirchen in Ravenna. Durch prächtige Hoftracht in weissgoldener Farbigkeit oder angetan mit edelsteingeschmückten Prunkgewändern und Zeremonialschuhen, wie beispielsweise der Erzengel Michael in S. Appollinare in Classe, zeigt sich ihre Zugehörigkeit zum himmlischen Hofstaat. Sie begleiten die Muttergottes mit Kind, den thronenden Christus, das Kreuz oder auch das Lamm Gottes.
In der Folge ermöglicht der christliche Gottesdienst, verstanden als Teilhabe am Lob der Engel vor Gottes Thron, eine Vielzahl von neuen Engeldarstellungen. In priesterliche Gewänder gehüllt, erfüllen sie auf Gemälden, in Form grossformatiger Skulpturen und als Kleinplastik an Geräten oder Tragaltären die Aufgaben von Diakonen als Türwächter, Grabwächter, Lektoren, Ministranten mit Kreuz, Kelch oder Weihrauchgefäss. Sie halten das Taufbecken und tragen Kerzen, Buchrollen, den Botenstab, die Leidenswerkzeuge Christi und die Symbole der Sakramente. Sie verehren die Dreifaltigkeit, die Muttergottes und auch Heilige. Als Lobsänger Gottes, wie sie in der Bibel genannt sind, können sie verschiedene
Musikinstrumente wie Lauten, Harfen, Gamben, Posaunen oder Trompeten spielen; sie singen in Chören oder begleiten den himmlischen Gottesdienst auf der Orgel.

Ungefähr seit dem 13. Jahrhundert zeigen Engel häufiger menschliche Gefühle wie Freude bei Christi Geburt und Auferstehung und Trauer bei seinem Tod. Auch können Engel weibliche oder kindliche Züge annehmen. Insbesondere in der Renaissance wird der jugendlich-schöne Engel in mädchenhafter Gestalt dargestellt. Bedeutend werden auch die Kinderengel, die berühmte Vertreter um 1400 in den Engelputten des Künstlers Donatello fanden. Er schuf als einer der ersten Renaissancebildhauer solch kindliche Gestalten in antikischer Nacktheit und orientierte sich damit an antiken Eroten - die Angst vor den heidnischen geflügelten Götterboten war längst verflogen. Der Siegeszug der auch Putten genannten kindlichen Engel reicht bis hin zu Raffaels berühmten Kinderengeln zu Füssen der Sixtinischen Madonna oder Philipp Otto Runges sog. „Lichtlilie“.

Die Zeit, in der Engel massenhaft dargestellt werden, ist die der Gegenreformation und des Barock. Die real geglaubte Anwesenheit und Mitwirkung der Engel am kirchlichen Gottesdienst führte zu der bildlichen Wiedergabe ganzer Heerscharen von Engeln in Kirchen - ob als Putto, als androgyn-weibliche Gestalt oder machtvoller Kämpfer. Es ist auch die Zeit, in der Engelfeste eingerichtet werden. Erstmals kommt es nun zu Bildprogrammen, die allein Engeln, insbesondere dem Erzengel Michael und den Schutzengeln, gewidmet sind.
Niemals mehr erlangen Engel eine derartige Gewichtigkeit, Macht und Hoheit. Die Aufklärung, die die 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts prägt und die u.a. Nachprüfbarkeit, Empirie und Wissenschaftlichkeit einfordert, kann mit Geistwesen nichts mehr anfangen. Die überbordende Häufigkeit der Darstellungen in Kirchen wird aber auch von Klerikern kritisiert, da die Bedeutung der Engel durch ihre schiere Vielzahl geschmälert wird. Sie sind verzichtbare Nebensache, bis die Romantiker ihnen in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts kurzfristig zu neuer Bedeutung verhelfen. Neue Bildtypen werden kaum mehr erfunden, die Kunst knüpft an alte Motivfindungen an. So sind der Schutzengel, der Grabengel und der Taufengel weiterhin beliebte Themen. Engeldarstellungen im 20. Jahrhundert gestalten beispielsweise Paul Klee, Marc Chagall oder Ernst Barlach. Sie führen den Engel heiter-ironisch, aber auch als bedrohlich vor Augen.

In keiner Jahreszeit ist die Bedeutung von Engeln so gross wie in der Weihnachtszeit, denn die Geburt Christi ist wie keine andere Begebenheit in der Bibel mit einem grossen Aufgebot an Engeln versehen. Engel treten in der Schilderung der Geburt im Stall zu Bethlehem, der Verkündigung der Geburt an die Hirten und bei der Warnung vor der Verfolgung der Heiligen Familie auf.
Der Glaube an Engel ist sowohl im kirchlich-religiösen Kontext als auch in spirituellen Erlebniswelten ungebrochen. Auch im profanen Bereich kann die Adventszeit als Zeit der Engel verstanden werden: Weihnachtsbaumschmuck zeigt beispielsweise musizierende oder verehrende Engel. Verführerische Rauschgoldengel oder herzige Putten werben für Spirituosen, Autos, Bettwäsche, Seife, Zeitschriften oder auch für Schokolade.



In unserem Alltag sind Engel nicht nur in der Adventszeit präsent. Den Erzengel Michael, Anführer der himmlischen Heerscharen und als solcher siegreich über den Satan triumphierend, hatten sich die deutschen Kaiser als Schutzherrn gewählt. Von dieser Nähe zu den Deutschen zeugt bis in unsere Tage der Ausdruck „Deutscher Michel“. Der Erzengel Raphael, dessen Bedeutung als Heiler immer mehr zurücktritt, gilt als Wegbegleiter und Schutzengel für Autofahrer. Den Verkündigungsengel Gabriel, Schutzherr der Postboten, ernannte Papst Pius XII. im Jahr 1951 zudem zum Patron des Rundfunk- und Fernmeldewesens. Und im Jahr 1997 gab der Vatikan den Computern, mit denen er seine Internet-Station betreibt, die Namen der drei Erzengel: Michael, Gabriel und Raphael.

Dein Schutzengel
Er hält dein Schicksal in der Hand,
beschützt dich, ohne zu säumen,
knüpft mit dir ein Treueband,
begleitet dich in Träumen.
Deinen Weg zu jeder Zeit
auf sich're Pfade lenken,
will er dich mit Besonnenheit,
mit Redlichkeit bedenken.
Du wirst ihn doch nur dann gewahr,
in hoffnungslosen Stunden,
angesichts grösster Gefahr,
die du hast überwunden.
Er wird dir auch im tiefen Traum
nie seinen Namen nennen,
schwebend zwischen Zeit und Raum,
wirst du ihn dennoch kennen.
Geduldig blickt er zu dir nieder,
bewacht dein Wohlbefinden,
versucht dich stetig, immer wieder
zu bewahr'n vor bösen Sünden.
Er ist ein Ebenbild von dir
und wohnt in deinem Herzen,
bekommt kaum einen Dank dafür,
hilft dir bei Seelenschmerzen.
Ein Wesen aus dem Paradies -
es kann nur einzig dein -
gebettet sanft im Traumland süss -
Schutzengel von dir sein.

Der Engel
Der Engel in dir
freut sich über dein Licht,
weint über deine Finsternis.
Aus seinen Flügeln rauschen
Liebesworte, Gedichte,
Liebkosungen
Er bewacht deinen Weg,
lenkt deinen Schritt –
engelwärts.

Still, still –
seid leise
es waren Engel auf der Reise.
Sie wollten ganz kurz bei euch sein,
warum sie gingen, weiss Gott allein.
Sie kamen von Gott, dort sind sie wieder.
Wollten nicht auf unsere Erde nieder.
Ein Hauch nur bleibt von ihnen zurück,
in eurem Herzen ein grosses Stück.
Sie werden jetzt immer bei euch sein,
vergesst sie nicht, sie waren so klein.
Geht nun ein Wind, an mildem Tag,
so denkt, es war ihr Flügelschlag.
Und ihr fragt, wo mögen sie sein?
Ein kleiner Engel ist niemals allein.
Sie können jetzt alle Farben sehn,
und barfuss durch die Wolken gehn.
Und wenn ihr sie auch so sehr vermisst,
und weint, weil sie nicht bei euch sind,
so denkt, im Himmel, wo es sie nun gibt,
erzählen sie stolz:
„Wir werden geliebt!“
|
Alle Bilder kannst Du durch anklicken auch grösser sehen.
 | |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |



copyright by Cathy´s webdesign for Taraland / Diedersdorf 2002
|
|
|
|