1790 - 1820


1820 - 1870


 

 

In Frankreich brachte die Revolution 1789 einen so plötzlichen Modewandel mit sich, wie man ihn noch nie gesehen hatte. Während der frühen 90er Jahre, in der Zeit des Grossen Terrors war alles verpönt, was an die Mode des Adels im Ancien Régime erinnerte. Wer sich mit gepuderter Perücke sehen liess, riskierte, dass diese gewaltsam entfernt wurde - manchmal auch mitsamt dem Kopf.

Als Sinnbild des 3. Standes (also des Bürgertums) galt zu dieser Zeit der einfache schwarze Tuchrock, der nun, gemäss der anbrechenden politischen Situation, sogar zum Ehrenkleid deklariert wurde. Er wurde zum wichtigsten Kleidungsstück der Männer, und wurde mit Schärpen, Kokarden und Schleifen in den Nationalfarben rot-weiss-blau verziert. Gerne trug man auch einen blauen Rock mit roten Aufschlägen über einer weissen Weste.

Die Frauen glichen ihre Kleidung der der Männer an - zwar trugen sie noch immer bodenlange Röcke, aber am Oberkörper prangten Westen, Jacken mit Revers und die sehr beliebte Rédingote, ein Mantel mit doppeltem oder dreifachem Revers, der dem englischen riding-coat entlehnt war.

Andere Länder, in denen weiter unangefochten die Monarchie herrschte, folgten diesen Entwicklungen natürlich nur zum Teil. Auch hier blieben die französischen Modejournale aus, auch hier erfolgte eine Hinwendung zur englischen Mode, aber der Übergang war bruchlos und fliessend.



Nach einigen Jahren hatten die Franzosen genug von der Herrschaft der Guillotine. Sie hatten eine weitgehend demokratische Regierungsform entwickelt, an deren Spitze das Direktorium stand, und mit ihm begann die Ära des Directoire. Auf der Suche nach Vorbildern für neue demokratische Kultur wandte man sich der griechisch-römischen Antike zu und führte in der Kunst, Architektur und natürlich in der Mode Formen ein, die an antiken Vorbildern orientiert waren.

In der Kleidung der Frauen spiegelte sich dies am stärksten wider: einfache, teils durchsichtige und ärmellose oder kurzärmelige Gewänder aus weissem Musselin, dem griechischen Chiton ähnlich, absatzlose, mit Bändern um die Waden geschnürte Schuhe und mit Bändern umwickelte Hochsteckfrisuren, wie man sie auf griechischen Vasen sah. Der Körper wurde von allen verformenden Hilfsmitteln, also v.a. Korsett und Reifrock oder Polstern, befreit. Das Decolleté wanderte bei den Mutigen so weit nach unten, dass um ein Haar der Busen herausfiel. Am auffallendsten aber ist die Verlegung der Taille gleich unter die Brust.

Auch die Männer trugen die Taille hoch, indem der Hosenbund bis weit über den Bauch reichte. Die langen Röhrenhosen hatten sich doch noch nicht durchgesetzt; die Hosen waren eng und verschwanden in wadenhohen Stiefeln. Der hohe Hosenbund wurd noch dadurch betont, dass die Jacke vorn weggeschnitten wurde - ein Vorform des heutigen Fracks. Der hochstehende Kragen, der sich schon in den 1770ern herausgebildet hatte, reichte nun bis an die Ohren und wurde in seinem Bemühen, den Hals zu erwürgen, von einer übergrossen, hohen Krawatte fleissig unterstützt.



Wenige Jahre später (1804) wiederum liess sich ein (in zweierlei Hinsicht) kleiner korsischer Soldat der Revolutionsarmee zum Kaiser krönen. Damit wurde Frankreich zum Kaiserreich - zum Empire, das sich in Fortführung der klassischen Ideale am römischen Reich orientierte.

In der Form blieb die Mode weitgehend unverändert: hohe Taillen bei Frauen und Männern. Aber die Qualität änderte sich von demokratisch-schlicht zu imperial-prunkhaft. Die leichten, hellen Stoffe wurden nach und nach durch schwere und steife in leuchtenden Farben ersetzt. Samt und reiche Stickerei kamen wieder in Mode.

Ab etwa 1820 wurden die Gewänder steifer, der Übergang zum Biedermeier bahnte sich an.

Die Röcke der Damen wurden etwas kürzer und entwickelten sich zu einer kegeligen A-Silhouette, die Halsausschnitte wanderten immer höher Hinauf. Auch an den Armen hatte die Freizügigkeit ein Ende: Die Ärmel reichten nun bis zum Handgelenk; oben wurden sie immer weiter.

Die Kragen der Männer wurden entsprechend immer steifer und höher. In Deutschland nannte man sie deshalb zurecht Vatermörder. Als neue Subkultur entwickelten sich v.a. in England die Dandies, die ihren Stolz darein setzten, besonders makellos gekleidet zu sein: Nur die feinsten Stoffe (dunkle Tuche), von den besten Schneidern zu perfektem Sitz verarbeitet, blütenweisse Hemden, elegant-zurückhaltende Accessoires. In dieser Zeit kam auch der aus Amerika importierte Zylinder auf - schon wieder eine Hommage an die Steifheit.

Der Modewandel beschleunigt sich im 19. Jh. deutlich, so das wir anfangen müssen, mehrere eigentlich recht unterschiedliche Stilepochen zusammenzufassen.

Der Begriff Biedermeier bezeichnet die Epoche ab etwa 1820 bis um 1870. Wie die meisten Epochenbezeichnungen ist auch diese erst später entstanden und war ursprünglich spöttisch gemeint. Nach den Wirren der napoleonischen Kriege hatte man erst einmal genug von Revolution und zog sich in die brave, friedliche Bürgerlichkeit zurück. Familienleben und häusliches Idyll waren die Ideale der Zeit. Die einsetzende Industrialisierung brachte es mit sich, daß wieder eine sich deutlich abgrenzende Oberschicht entstand - diesmal aber nicht eine adlige, sondern reiches Großbürgertum, die Bourgeoisie.

Die Ideale und Statussymbolik sollten bis ins 20. Jh. nachwirken. Man wollte sich von der alten Oberschicht, dem Adel, abgrenzen, indem man zeigte, daß man sein Geld erarbeitet hatte.

Wie beim Mittelalter wurde der Begriff Biedermeier auch erst rückblickend verwendet, Mobiliar, Mode und Denkweise ist romantisch, brav, familiär und etwas spiessig.
Das wachsende Grossbürgertum leistet sich nun wie der Adel die “Haute Couture”, die Mode wird nun immer häufiger von ersten Modeschöpfern entworfen.
Die Taille der Dame rückt allmählich wieder an ihren ursprünglichen Platz und wird auch wieder mittels Korsett geschnürt. Weite, bauschige Ärmel werden modern, auch um die Taille noch schmaler wirken zu lassen. Mit der Erfindung der Krinoline aus leichten Federstahlreifen werden die vielen Unterröcke, teils mit schwerem Rosshaar verstärkt, endlich überflüssig.

Uns ist diese Mode vor allem von Bildern und aus Filmen über
Elisabeth (kurz Sisi / Sissi), Kaiserin von Österreich bekannt.



Hier ein Überblick über den Wandel in der Damenmode:


Die Männer kleideten sich also zunehmend dunkel und schlicht, mit nur geringen Variationen im Verlauf des Jahrhunderts, um ihre Geschäftsmäßigkeit und Seriosität zu unterstreichen. Die Kniebundhose war nun vollständig aus der Mode verschwunden. Die neue Hose war eng, hatte meistens Überlänge und war daher enweder unter dem Schuh mit einem Steg zusammengefasst oder reichte über den Fuss. Dazu gehörte der Frack, eine kunstvoll geknotete Krawatte und der Zylinder. Im versteckten Widerspruch zum "seriösen" Auftreten trugen Männer oft Korsetts.

Die Frauen hingegen durften, ja sollten umso mehr Pracht entfalten, um zu zeigen, daß ihr Mann "sie sich leisten" konnte.

Die Taille rutschte wieder tiefer und sollte möglichst schlank erscheinen, was durch enge Schnürung, weite Röcke und überbetonte Schultern erreicht wurde. Der horizontale, schulterfreie Ausschnitt wurde von einer breiten Spitze, der Berthe, umrahmt. Die Ärmel waren tief angesetzt und so bauschig, daß sie mitunter mit Fischbein verstärkt werden mußten. Die Frisuren sind äußerst verspielt: kunstvoll hochgesteckt mit über die Ohren hängenden Korkenzieherlocken. Der das Geicht umrahmende Schutenhut verstellte seitlich die Sicht.






Um 1840 beginnt der Vormärz (also die Zeit vor der Märzrevolution von 1848), der modisch nahezu bruchlos in die Romantik übergeht.

Die Kleider die Damen wandern wieder ein Stück die Schulter hinauf, aber nur wenig. Beite V-Ausschnitte, von mehreren Reihen Falten umrahmt, sind typisch für die 40er Jahre, aber auch hochgeschlossene Kleider wurden wieder getragen. Die Röcke werden in der Taille fülliger und müssen durch mehrere Lagen Unterröcke mit Roßhaareinlagen gestützt werden. Dazu wurden dreieckige Schultertücher oder Kaschmirschals umgelegt.

In dieser Zeit kam in der Männermode der Frack aus der Mode, außer für formelle Anlässe, und machte dem Gehrock Platz. Die Hose wurde etwas kürzer und war nicht mehr gar so extrem eng. In den 1850ern waren karierte Hosen "in", aber das war schon bald wieder vorbei. Wärend der 1850er wurde die Jacke gegenüber dem Gehrock immer populärer - eben jene Jacke, die mit geringen Variationen bis auf den heutigen Tag für Anzüge Gültigkeit hat.

 

Der Umfang der Röcke wuchs mit der Zeit so stark an, daß es bald wieder nötig wurde, Reifen einzuziehen. Elastischer Federstahl, eine neue Erfindung, machte das teure Fischbein überflüssig und den neuen Reifrock, den man nun Krinoline nannte, auch für die Mittelschicht erschwinglich. Gleichzeitig wurde es möglich, den Rock mit Volants und allerlei Garnitur zu verzieren, ohne ihn nach unten zu ziehen.

So begann die Epoche des zieratverliebten Zweiten Rokoko. Dazu gehörte auch die Entwicklung V-förmigen Zierats auf dem Oberteil, ganz wie im Rokoko.

Im Verlauf der 50er Jahre wurde die Krinoline immer weiter nach hinten ausgestellt, während sie vorn abflachte. Ihre größte Ausdehnung erreichte die Krinoline in den frühen 1860ern, und zwar vor allem nach hinten.

Gegen 1870 aber wurde sie wieder kleiner und konzentrierte sich das ganze Volumen nach hinten. Es entstand die Tournure der Gründerzeit



Damenkleid des Biedermeier, Süddeutschland, um 1830

Während die Mode des Biedermeier mit eng geschnürter Taille und weiten, stoffreichen Röcken erneut das Frauenbild des Ancien Régime zitiert, verdankten die beliebten Baumwolldruckstoffe ihre neue Muster- und Farbenvielfalt technischen Innovationen der Textilfertigung.

Die Rose im Biedermeier:



Wenn man vom Biedermeier spricht, so verbinden die meisten von uns damit eine Epoche, in der die Menschen ein fröhliches, unbeschwertes und gemütliches Dasein führten. Walzermusik und romantische Weisen gelten geradezu als Synonym dafür, und das liebliche Biedermeiersträusschen - eine Reminiszenz aus jenen Tagen - erinnert uns heute noch an diese Zeit voller Glückseligkeit. Aber diese angeblich so unbeschwerten Tage waren nur scheinbar so friedlich.


Aus dem Stammbuch der Edlen von Seydel
( Ilse Höger-Orthner-Vom Zauber alter Rosen- BLV-Verlagsgesellschaft)

Nach den Siegen über Napoleon und der Neuaufteilung Europas auf dem Wiener Kongress 1815 begannen nämlich ganz und gar nicht gemütliche Jahre. In Preussen entstand ein Polizeistaat, der mindestens so gefürchtet war wie das strenge Regime des Fürsten Metternich in Wien. Als Folge davon zogen sich die Menschen zurück und besannen sich auf "Innere Werte".
Im Unterschied zu den grossen Anlagen früherer Zeiten wurden im Biedermeier Lust- und Nutzgarten vereint. Man pflanzte Rosen wieder als Hecken und Lauben und der Stil eines Rosengartens im Biedermeier erinnert ein wenig an die streng formal gegliederten Gärten der Renaissance. Charakteristisch für einen Biedermeier-Garten waren seine Blumenvielfalt sowie seine Farbenprächtigkeit, wobei die Rose auch in dieser Zeit eine Sonderstellung einnahm. Sie spielte wieder jene Rolle, die sie bereits in der Antike innehatte und wurde vieldeutiges Symbol, für die Liebe ebenso wie für die Tugendhaftigkeit.

Als "Biedermeierröschen" ist sie in die Blumengeschichte eingegangen.



Die Rose im Biedermeier war aber nicht nur im Garten zu finden, sondern spielte eine Rolle in vielen Bereichen künstlerischen Schaffens. In der Malerei wie in der Dichtung huldigte man der Königin der Blumen.
Aus den zahlreichen Schöpfungen jener Tage möchte ich hier nur den "Nachsommer" von Adalbert Stifter erwähnen, in dem sehr viel Rosenromatik verborgen ist. Künstlerische Arbeiten, wenn auch weniger berühmte, bei denen die Rose im Mittelpunkt steht gibt es im Biedermeier sehr zahlreich.
Man verzierte beinahe alle Dinge des täglichen Gebrauchs:
Porzellan und Gläser wurden bemalt, Bekleidung und Wäsche mit Röschen bestickt. Ganz typisch für das Biedermeier aber waren die Glückwunschkarten und Stammbuchverse.


Ein typischer Kartengruss aus dem Biedermeier
( Ilse Höger-Orthner-Vom Zauber alter Rosen-BLV-Verlagsgesellschaft)




Seit ich "Sinn und Sinnlichkeit" gesehen haben, bin ich fasziniert von den Jane Austen Verfilmungen und Büchern.

Noch heute schwärmen die Feuilletonisten von

JANE AUSTEN



"Jane Austen war kein zahmes Huhn, das in seinem literarischen Vorgärtchen pickte, sondern das eleganteste satirische Talent des ausgehenden 18. Jahrhunderts." (Die ZEIT) "Die brillanteste Satirikerin des frühen 19. Jahrhunderts." (Der Spiegel). Und auch wir finden sie so beeindruckend, dass wir sie hier vorstellen möchten: Lebenslauf Jane Austen gehört zu den grossen Schriftstellerinnen der Weltliteratur. In ihrem kurzen Leben hat sie sechs die Zeit überdauernde Romane geschrieben. Sie wurde am 16. Dezember 1775 in Steventon in der südenglischen Grafschaft Hampshire geboren. Sie ist die jüngste Tochter des Pfarrers George Austen und hatte sieben Geschwister. Als Kind schreibt Jane erste Kurzgeschichten, die sie in ihrer literaturbegeisterten Familie vorträgt. Zwischen 1787 und 1793 entstehen ihre "Juvenilia". Anschließend schreibt Jane den Briefroman "Lady Susan". 1795 beginnt sie mit "Elinor and Marianne", der späteren Vorlage für "Sense and Sensibility" (dt. Sinn und Sinnlichkeit), das 1811 veröffentlicht wird. Die Vorform von "Pride and Prejudice" (dt. Stolz und Vorurteil) sind die 1796 un 1797 geschriebenen "First Impressions" 1801 zieht die Familie nach Bath. Sie bleibt dort bis 1806. Jane arbeitet während dieser Zeit kaum - viele gesellschaftliche Ereignisse beschäftigen sie sehr. Doch 1803 verkauft sie ihr Manuskript "Susan" (geschrieben 1798) an einen Verlag, der es aber nicht veröffentlicht. Jane kauft es deshalb zurück. Der Roman erscheint aber erst nach ihrem Tod unter dem Titel "Northanger Abbey". Außerdem arbeitet sie in den Jahren 1803/1804 an dem Romanfragment "The Watsons" Der Vater stirbt 1805 und mit ihrer Mutter und ihren Geschwistern zieht Jane in Bath mehrfach um. Schließlich ziehen sie nach Southampton, drei Jahre später nach Chawton. Dort lebt sie in einem Cottage ihres Bruders Edward und vollendet innerhalb kurzer Zeit drei Romane. 1814 erscheint "Mansfield Park", 1816 "Emma". Am 18. Juli 1817 stirbt Jane Austen und wird in der Kathedrale von Winchester bestattet. Nach ihrem Tod erscheinen "Northanger Abbey" und "Persuasion", später auch "Lady Susan", "The Watsons" und erst 1925 ihr unvollendeter Roman "Sanditon".

Sinn und Sinnlichkeit

England um 1800.
Die stille Elinor verliebt sich in ihren schüchternen Schwager Edward Ferrars, aber aus Gründen der Etikette wagen weder sie noch er, sich ihre Liebe zu gestehen, und Elinor büßt für ihre Zurückhaltung mit stumm erduldetem Leid. ...
Romantisches Filmdrama nach dem Roman "Gefühl und Verstand" von Jane Austen, wunderbar fotografiert und hervorragend gespielt.






Emma

Am 10.04.97 startete in den Kinos "Emma", die vierte Verfilmung des gleichnamigen Jane-Austen-Romans.

Die junge Emma hat es sich zur Aufgabe gemacht, Frauen mit Männern zu verkuppeln, die sich ihrer Meinung nach für die Ehe eignen. Zu ihrem Sorgenkind wird Freundin Harriet. Einen gesellschaftlich indiskutablen Gatten in spe kann Emma ihr zwar ausreden, doch alle Versuche, Harriet mit ihrem Wunschkandidaten zusammenzubringen, schlagen Fehl. Als dann auch noch ihre Kuppelleien mit persönlichen Interessen kollidieren, ist die Konfusion komplett.










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